Herbarium Dörr  

Herbarium Dörr

 

Herbarium Dr. Erhard Dörr (1926–2011)

Naturwissenschaftliche Sammlungen,

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Herbarium Dr. Erhard Dörr (1926 – 2011)

Für die Botanischen Sammlungen konnte 2011 das Privatherbar Dörrs in Kempten erworben werden. Innerhalb einer 52-jährigen nahezu täglichen Kartierungsarbeit angelegt, stellt diese Sammlung eine bedeutende wissenschaftliche Ergänzung für das Herbar des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum dar. Schwerpunkt der Forschungstätigkeit Dörrs war die Flora des Allgäus, ein Geographikum und Naturraum, der neben großen Teilen Südschwabens Teile Vorarlbergs und Nordtirols sowie Baden-Württembergs einschließt.

In Nordtirol erforschte Dörr als Erster diese seinerzeit wenig erschlossenen Gebiete systematisch und ließ schwierige Sippen durch ein Netzwerk zahlreicher Spezialisten überprüfen und revidieren. Zudem gelangen ihm zahlreiche Erstnachweise sehr seltener Arten z.B. Dracocephalum ruyschianum L., (Abb.). Neophytenbelege dokumentieren deren initiales Auftreten im Allgäu, sie sind relevante Dokumente für die regionale und überregionale Ausbreitungsgeschichte dieser invasiven Arten. Neben zahlreichen einschlägigen Publikationen in den Periodika Ber.bayer.bot.Ges., Mitt.naturw. ArbKr.Vhs.Kempten (Allgäu), Ber.naturf.Ges.Augsburg, Mitt.flor.-soziolog.Arb.Gem. und Hoppea konnte in Zusammenarbeit mit Dr. Wolfgang Lippert 2001 und 2004 das zweibändige Standardwerk „Flora des Allgäus und seiner Umgebung“ herausgegeben werden.

Geboren wurde Dörr am 8.11.1926 in Sporitz bei Komotau in Böhmen, bereits als junger Mann ließ er sich vom anerkannten Lichenologen Dr. h.c. O. Klement (1897-1980) für die Botanik begeistern. 1945 war Dörr längere Zeit in verschiedenen tschechischen Arbeitslagern interniert. Nach der Vertreibung aus seiner Heimat war er zuletzt 19 Jahre als Direktor des Hildegardis-Gymnasiums in Kempten tätig. Für seine Forschungstätigkeit wurde Dörr u.a. mit dem Akademiepreis 2000 der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sowie mit dem Bundesverdienstkreuz am Band ausgezeichnet. Eponym für mehrere neuentdeckte Arten z.B. Ranunculus doerrii Borch.Kolb, Rubus doerrii H.E. Weber.

 

Bild: 

Herbarbeleg Dracocephalum ruyschiana L. aus dem Hornbachtal/Nordtirol 1978, leg. Dörr.

Foto: Stefan Heim

 

Literatur:

Gärtner G. & W. Neuner (2001): Biographische Notizen zu in Tirol und Vorarlberg tätigen Floristen und Botanikern. Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg, Bd. 5, S. 587–631.

Lippert W. (2011): Erhard Dörr 1926 – 2011, in: Ber.bayer.bot.Ges. 81, S. 169–174.

Neuner W. (2011): Herbarium Dr. Erhard Dörr – Ein Lebenswerk, in: ferdinandea 16, S. 6.

Neuner W. (2011): Nachruf: Dr. Erhard Dörr, in: ferdinandea 17, S. 6.

Tarmann G. (2011): Naturwissenschaftliche Sammlungen. Veröffentlichung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, Jahresbericht 2011, S. 75–90.

Neuner W. (2015) SammelLust: Herbarium Dörr, in: ferdinandea 33, S. 5

 

Wolfgang Neuner