Die Gnadentreppe, um 1758  

Die Gnadentreppe, um 1758

 

Johann Jakob Zeiller (Reutte 1708-1783 Reutte)
Öl auf Leinwand, 88 x 78 cm

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 3280

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Maria wird als Gnadenvermittlerin mit der Rosenkranz- und Skapulierspende in einer spiralförmigen dynamischen Komposition in den Mittelpunkt der oberen Bildfläche gesetzt. Zu ihren Füßen sind Vertreter des Benediktinerordens mit dem damaligen Abt Anselm Erb von Ottobeuren in der Verehrung des Gnadenbildes von Eldern und der hohen Würdenträger der Kirche und der weltlichen Macht als Bittsteller eingebunden. Unter ihnen sind Papst Pius V. und die europäischen Fürsten der "Heiligen Allianz" im Kampf gegen die Türken in der Seeschlacht von Lepanto (1571) dargestellt: links der französische König Karl IX., der spanische König Philipp II. (mit den Reichsinsignien) und der polnische König. Einer der drei Kardinäle rechts ist Granvella, der Begründer der Heiligen Allianz. Rechts im Hintergrund dürfte der Sieger der Schlacht, der Oberbefehlshaber Don Juan d'Austria stehen (interpretiert nach Matsche, 354).

 

Das Gemälde stellt einen Entwurf für das Deckenfresko im westlichen Querhaus auf der Epistelseite der Benediktinerklosterkirche Ottobeuren dar, welche Johann Jakob Zeiller in den Jahren zwischen 1756 und 1764 mit Deckenmalereien zierte. Das Fresko nimmt auch Bezug zum Altar der Rosenkranzbruderschaft auf.

 

Am 2. April 1971 wurde das Gemälde von Frau Rosa Huber, Falgerhaus in Elbigenalp, erworben (MA 1971, 137; EB 1971, Nr. 56).

 

Der Bozzetto ist im Rahmen der Sammlung von malerischen Entwürfen ein beispielhafter Akzent für die freie malerische Konzeption Zeillers, der, als Schüler von Paul Troger geprägt, seit 1756 als kaiserlicher Hofmaler in Wien vor allem als Freskant für die Benediktinerstifte Ettal und Ottobeuren sowie für die Zisterzienserstifte Aldersbach und Suben und in seinem Spätwerk in der Pfarrkirche Elbigenalp tätig war. Neben den Bozzetti von Franz Anton Zeiller für die Seminarkirche in Brixen und von Paul Troger für Brixen oder Seitenstetten zählt dieser malerische Entwurf zur koloristisch klangvollsten Schöpfung des Spätbarock.


Franz Anton Zeiller (1716-1794), Bildnis Johann Jakob Zeiller, 1783
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 281



Literatur
Franz Matsche, Der Freskomaler Johann Jakob Zeiller (1708-1783) (Marburg/Lahn 1970) 354-357, 664. - Josef Ringler, Die barocke Tafelmalerei in Tirol (Tiroler Wirtschaftsstudien 29, Innsbruck 1973) 183.

 

Gert Ammann