Gedenkmedaille Max Valier, 1970  

Gedenkmedaille Max Valier, 1970

 

Maria Delago (St. Leonhard im Passeier 1902-1979 bei Brixen) - Prägeanstalt S. Johnson, Milano - Hg. Numismatischer Verein Bozen
VS: Porträtkopf von Max Valier; Umschrift: MAX VALIER 1895; sign. M D und S. JOHNSON
RS: Stilisierte aufsteigende Rakete mit drei Triebwerken; Umschrift: VITAM DEDIT ASTRIS 1930; Wappen der Stadt Bozen, überhöht von der Jahreszahl 1970, unter dem Schild: SOCIETAS NUMISMATICA BAUZANENSIS; Stempel: 800 (Feingehalt Silber)
Silber, weitere Ausgabe in Bronze, Dm 60 mm

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Medaillen XII/28 a,b

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Max Valier gilt als Pionier der Raketentechnik, der sein Leben der einschlägigen Forschung widmete (Attlmayr, 80-82). Die Familie war aus Schwaben (Füssen) nach Bozen zugewandert, wo Max am 9. Februar 1895 zur Welt kam. Er erfuhr seine schulische Ausbildung in Bozen, wo am Gymnasium sein Interesse für Astronomie und Physik geweckt wurde. Das Astronomie-Studium an der Innsbrucker Universität musste er kriegsbedingt unterbrechen. Im Ersten Weltkrieg diente er zunächst bei der Infanterie, später bei der k. u. k. Luftwaffe.

 

Nach dem Krieg setzte er das Studium in Wien fort und geriet in einen wissenschaftlichen Streit um die zu ihrer Zeit als Aufsehen erregend beachtete, aber auch teils vehement abgelehnte "Welteislehre" Hanns Hörbigers, was ihm den Abschluss des Studiums verwehrte. - Valier übersiedelte nach München, verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Vortragsredner und veröffentlichte eine große Zahl von Aufsätzen hauptsächlich astronomischen Inhalts in Zeitungen und Zeitschriften. In den Jahren 1923/24 arbeitete er an seinem größten Werk - "Der Sterne Bahn und Wesen", das in Leipzig erschien und nach zwei Jahren eine Neuauflage erlebte.

 

Angeregt durch das Büchlein "Die Rakete zu den Planetenräumen" von Hermann Oberth (1924), faszinierte ihn der Gedanke, das Universum mittels Raketen mit Rückstoßantrieb zu erforschen, was sich auch in seinen Veröffentlichungen niederschlug, indem er diese noch utopisch anmutende Möglichkeit, zu Erkenntnissen zu gelangen, voll berücksichtigte. Bezeichnend dafür sind die Aufsätze "Wie steht es mit dem Raketenantrieb?", "Die Rakete als Kriegswaffe", "Vom Raketenauto zum Weltraumschiff", "Werden wir zum Mond reisen können?" und "Meine Versuche mit dem Raketenschlitten" (Attlmayr, 82-87).

 

Max Valier beschäftigte sich nicht bloß mit der Theorie des Raketenflugs, sondern auch mit der Praxis. Dies war durch Auftreiben von Finanziers möglich. Er ging bereits zu den Entwicklungsarbeiten für den Raketenbau mit flüssigem Treibstoff über. Bei einem seiner Versuche erlitt er eine Verletzung im Lungenbereich, woran er am 17. Mai 1930 nach einem kurzen, aber arbeitsintensiven Leben starb. Er konnte nicht den Siegeszug der mit Rückstoß angetriebenen Rakete erleben, einer technischen Entwicklung, an deren Vorarbeiten er wesentlich beteiligt gewesen war.

 

Der Numismatische Verein Bozen ehrte Max Valier zu seinem 75. Geburtstag bzw. 40. Todestag mit der Herausgabe einer Medaille (Technikgeschichte, 69), die die angesehene Südtiroler Bildhauerin und Keramikerin Maria Delago (Künstler-Lexikon 25, 336) hervorragend modellierte und ihm auf diese Weise ein Denkmal setzte.

 

Ein Teil des schriftlichen Nachlasses Max Valiers wird im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum verwahrt.


Max Valier (1895-1930), Der Sterne Bahn und Wesen. Gemeinverständliche Einführung in die Himmelskunde, 2. Aufl., Leipzig 1926
Historische Sammlungen



Literatur
Walter G. Brandecker, Ein Leben für eine Idee. Der Raketenpionier Max Valier (Stuttgart 1961). - Ernst Attlmayr, Tiroler Pioniere der Technik (= Tiroler Wirtschaftsstudien 23, Innsbruck-München 1968). - (anonym:) Ehrung für Max Valier, in: Beiträge zur Technikgeschichte Tirols 2 (1970) 69. - I. Essers, Max Valier. Ein Pionier der Raumfahrt (Bozen 1980). - Fin Reck, Vor hundert Jahren ... wurde Max Valier geboren, in: Südtirol in Wort und Bild 39/2 (1995) 4-11. - Günther Meißner (Hg.), Allgemeines Künstler-Lexikon. Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker 25 (München-Leipzig 2000) 336.

 

Meinrad Pizzinini