Bajuwarische Adelsbestattung  

Bajuwarische Adelsbestattung

 

frühes 8. Jahrhundert n. Chr.
Pfaffenhofen

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 18.242 P. 52 - P. 70, P. 75

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1961 wurden bei Untersuchungen der Pfarrkirche unter der heutigen gotischen Kirche mehrere Bauphasen eines frühmittelalterlichen steinernen Vorläuferbaus mit halbrunder Apsis und freistehender gemauerter Priesterbank festgestellt. Im Inneren der Kirche fand man drei Gräber, die Beigaben und Skelettreste wurden noch 1961 ins Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum verbracht und inventarisiert (JB 1961, 122).

 

Die Gruft I bestand aus Trockenmauerwerk mit 2,05 m Breite, 4 m Länge und 2,75 m Tiefe. Sie wurde von der Südmauer des frühmittelalterlichen Kirchenbaues leicht überschnitten. Die mit Holz verkleidete Gruft war ca. 40-50 cm hoch, den Boden bedeckte eine Schicht aus ca. 3 cm dickem eingebrachtem Sand. Sie enthielt eine reiche Männerbestattung mit folgenden Beigaben (Skelett nicht erhalten):

 

Spatha aus Eisen mit Parierstange, damaszierte Klinge, rekonstruierte Länge 90,8 cm; Sax aus Eisen, vom Rost stark zerfressen, rekonstruierte Länge 71,6 cm; eiserne Lanzenspitze mit Silberband und langem schmalem Blatt, Länge 60,5 cm; eiserner Schildbuckel: über die hohe Kalotte sind kreuzförmig gerillte Silberbänder gelegt, der Rand ist mit einem Silberband eingefasst, Durchmesser 19,3 cm; Paar eiserner silbertauschierter Nietensporen, Weite 9 cm; grünliches Stengelglas aus einer Glashütte in Oberitalien, Höhe 8,5 cm; Eisenmesser, Länge 20,5 cm; Eisenschere, nur eine Hälfte erhalten, Länge 18 cm; silberne Riemenzunge, gegossen, Länge 20,5 cm; 2 silberne kurze Riemenzungen, Länge 8,3 cm; 2 aus Silberblech geschnittene Riemenzungen mit unterschiedlicher Verzierung, Länge 5 cm; 2 versilberte Bronzeringe mit je 2 Bronzeriemenzungen, 1 Ring mit Zwinge und Splintkonstruktion, Ringdurchmesser 2,8-3,3 cm; Eisenkette aus achteckigen Gliedern, Länge 24,4 cm; 2 trapezförmige Eisenschlaufen zum Aufhängen der Steigbügelriemen am Sattel, Höhe 7,7 cm; Paar Eisenschlaufen mit je zwei lang ausgezogenen Zwingenarmen, Holzspuren als Reste der darin gefassten Steigbügelreifen; eiserne Riemenzunge, Fragmente von Eisenringen und weitere Teile vom Sattelzeug; Goldfäden von Kleiderborte; Reste eines einteiligen Dreilagenkammes, auf Eisen angerostet.

 

Die Grüfte gehören zum bisher größten bajuwarischen Gräberfeld innerhalb Tirols. Es sind 50 Gräber der Nekropole bekannt geworden. Die Lage innerhalb des verbauten Ortsgebietes hat eine vollständige Erhaltung des Gräberfeldes verhindert. Der in Gruft I bestattete Mann gehört der bajuwarischen Oberschicht an, das Grab lässt sich als Stiftergrab für die Kirche ansprechen.


Literatur
Gerard Kaltenhauser, Die Aufdeckung der frühchristlichen Kirche in Pfaffenhofen in Tirol, in: Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum in Innsbruck 44 (1964) 75-98. - Liselotte Plank, Die Bodenfunde des frühen Mittelalters aus Nordtirol, in: ebenda, 99-210; bes. 182-204. - Osmund Menghin, Ergänzende historische Bemerkungen zu den Funden von Pfaffenhofen im Oberinntal, in: ebenda, 211-236. - Hermann Dannheimer / Heinz Dopsch (Hgg.), Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo 488-788, Katalog Rosenheim-Mattsee (München-Salzburg 1988) 436. - Andreas Lippert, Die Adelsbestattungen in Pfaffenhofen und die inneralpine Landnahme der Baiuwaren. In: Echo. Festschrift. J. B. Trentini (Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft 27, Innsbruck 1990) 209-222. - Andreas Lippert, Das frühgeschichtliche Gräberfeld von Pfaffenhofen im Oberinntal, Tirol. Ein Katalog der Gräber und Beigaben, in: Archaeologia Austriaca 77 (Wien 1993) 165-200.

 

Anton Höck