Auferweckung des Lazarus, 1950  

Auferweckung des Lazarus, 1950

 

Max Weiler (Absam bei Hall i. T. 1910-2001 Wien)
Öl auf Leinwand, 204 x 180 cm
bez. li. u.: MW 50

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 2098

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Innerhalb des künstlerischen Schaffens von Max Weiler nehmen die religiösen Themen einen breiten Raum ein. Dies zeigt sich in seinem Werk der 30er Jahre ebenso wie in den nach 1945 entstandenen Arbeiten, in denen sich der Künstler erneut seinen großen Themenbereichen, der Natur und der Religion, zuwendet.

 

Im Gegensatz zu seinem frühen religiösen Schaffen, in dem Weiler einer neuen, vergeistigten Form religiösen Gestaltens im Sinne der "Neuland"-Bewegung Ausdruck zu verleihen suchte, beginnt er in den Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in verstärktem Maße das religiöse Geschehen in die gegenwärtige Zeit und in die Tiroler Landschaft einzubinden. Dies zeigt sich in den Fresken in der Theresienkirche auf der Hungerburg ebenso wie in der "Auferweckung des Lazarus", in der Weiler die Handlung in die Architektur des Friedhofs von Mariahilf in Innsbruck verlegt: In den Vordergrund schräg hineingestellt liegt der dunkle Sarg des Lazarus, der von dem in leuchtendem Rot ausgeführten Christus und einem dunkel gehaltenen Helfer geöffnet wird. Die Figur des Erlösers, der Sarg mit dem toten Lazarus und der Sargdeckel bilden ein mächtiges, die gesamte Komposition beherrschendes gleichschenkeliges Dreieck. Die perspektivische Friedhofsmauer im Hintergrund unterstreicht nicht nur die Weiträumigkeit der Darstellung, sondern verleiht auch der Vordergrundszene eine besondere Gewichtigkeit. Hinter der Friedhofsarchitektur erstrecken sich zwei blaue Berge bis an den oberen Rand des Bildes, ganz vorne ragt unten eine Blume in den Bildraum, der durch seine Farbgebung das gesamte Geschehen umfasst und zusammenhält, ohne diesem jedoch einen sicheren Halt zu bieten.

 

In der "Auferweckung des Lazarus" ist alles der religiösen Thematik untergeordnet. Sowohl die aus dem Expressionismus zehrende Leuchtkraft der Farben, die Setzung der starken Konturen als auch die Kargheit der Landschaft dienen der Unterstreichung der Handlung und der Aussage.

 

Das Gemälde hat dem Künstler 1950 in Wien den Anerkennungspreis des Österreichischen Staatspreises eingetragen. Vom Februar bis April 1951 stand es im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum im Mittelpunkt von Weilers erster Einzelausstellung seit Beginn seines künstlerischen Schaffens. Im Dezember 1959 wurde das Bild "v.[om] Künstler gegen die im Museumsbesitz befindl.[ichen] Bilder ,Sonnenblume' u. ,Oberinntal' eingetauscht" (EB 1959, Nr. 62). Als Dokument des Wiederbeginns der religiösen Malerei nach 1945 nimmt das großformatige Bild sowohl einen wichtigen Stellenwert innerhalb der künstlerischen Entwicklung von Max Weiler als auch der österreichischen Malerei nach 1945 ein.

 

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Literatur
Monographie Max Weiler. Mit einer Einführung von Wilfried Skreiner und einem Werkverzeichnis der Bilder von 1932 bis 1974 von Almut Krapf (Salzburg 1975) 200, Kat.Nr. 177, 201 (Abb.). - Wilfried Skreiner, Das Religiöse in der Bildwelt Max Weilers. In: Peter Weiermair (Hg.), Über Max Weiler (Innsbruck 1980) 64-80. - Max Weiler "Innenschau", Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1992 (Innsbruck 1992) 64, 65 (Abb.). - Günther Dankl, Landschaft - Natur - Religion. Anmerkungen zum Aspekt des Religiösen bei Max Weiler. In: ebenda, 15-21. - Otto Breicha, Weiler. Die innere Figur, Katalog Museum des 20. Jahrhunderts, Schweizergarten, Wien 1990 / Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis Bregenz 1990 (Wien 1990) 52, 53 (Abb.).

 

Günther Dankl