Ranftbecher mit dem Porträt der Kaiserin Karoline Auguste von Österreich, 1816  

Ranftbecher mit dem Porträt der Kaiserin Karoline Auguste von Österreich, 1816

 

Gottlob Samuel Mohn (Weißenfels 1789-1825 Laxenburg?)
Transparentmalerei und Gold auf farblosem Glas, H 11 cm, Dm 8,5 cm
bez. re. u. im Medaillon: Mohn 816 (?)

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. GL 133

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Der Begriff "Ranftbecher" bezeichnet eine im frühen 19. Jahrhundert in Wien besonders beliebte Becherform mit konisch zulaufendem Gefäßkörper und vorstehendem, einige Millimeter starkem und meist mit Lanzettenschliff dekoriertem Gefäßfuß. Das goldgerahmte Medaillon auf dem farblosen Glas zeigt das Brustbild Kaiserin Karoline Augustes (1792-1873), der vierten Frau von Franz II. (I.) (1768-1835, römisch-deutscher Kaiser, Kaiser von Österreich), im Jahre ihrer Heirat. Dem gegenüber ist in Gold ein Monument dargestellt - mit Kaiserkrone und zwei Greifen, die schmückend eine Girlande halten. Das Denkmal trägt die Inschrift CAROLINE AUGUSTE. Für diese Art des Glasdekors wurden Emailfarben verwendet, die aus Metalloxiden und pulverisiertem Glas bestehen und bei einer Temperatur von ungefähr 800° C aufgeschmolzen werden.

 

Die von Künstlerhand aufgemalte Datierung kann nur als Jahreszahl "816" aufgelöst werden, wenngleich sie sich heute eher wie "810" liest, wofür vermutlich ein alters- bzw. gebrauchsbedingter Farbverlust der Grund ist. Eine frühere Entstehungszeit als das Jahr 1816 ist unmöglich, da Karoline Auguste bis zur Annullierung ihrer Ehe 1815 durch Papst Pius VII. mit Kronprinz Wilhelm, dem späteren König von Württemberg, verheiratet war. Erst 1816 fand die Vermählung mit Kaiser Franz I. von Österreich statt. Erst ab nun nannte sie sich Karoline Auguste, nachdem sie vorher den Namen Charlotta Augusta geführt hatte. Als Künstler kann Gottlob Samuel Mohn angenommen werden, der 1811 nach Wien übersiedelt war. Er hatte die Transparentmalerei bei seinem Vater Samuel Mohn erlernt. In den Jahren 1807/08 erhielt er bei Julius Schnorr von Carolsfeld in Leipzig Zeichenunterricht und besuchte 1810 kurz die Dresdner Akademie. In Wien arbeitete er vor allem für Kaiser Franz und Erzherzog Ferdinand. Nach 1820 widmete er sich ausschließlich dem Bemalen von Glasfenstern.

 

Mit der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts äußerst beliebten Malerei mit Emailfarben auf Hohlglas sind die Namen Samuel Mohn (1761-1815), dessen Sohn Gottlob Samuel Mohn (1789-1825) und Anton Kothgasser (1769-1851) untrennbar verknüpft. Die Kunstgewerbliche Sammlung des Tiroler Landesmuseums besitzt von allen drei Künstlern Beispiele dieser im Biedermeier so beliebten Andenken- und Freundschaftsgläser, deren Dekor eine minutiöse Ausführung und durchscheinende Eleganz kennzeichnet.

 

Das Glas wurde 1956 aus dem Kunsthandel angekauft (EB 1956).


Anton Kothgasser, Akrostichonbecher, um 1815
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. GL 291



Literatur
Gustav E. Pazaurek, Gläser der Empire- und Biedermeierzeit (2. Aufl., Braunschweig 1976, überarbeitet von Eugen von Philippovich). - Lorenz Mikoletzky, Karoline Auguste. In: Brigitte Hamann (Hg.), Die Habsburger. Ein biographisches Lexikon (Wien 1988) 231. - D., Mohn, Gottlob Samuel. In: Ulrich Thieme / Felix Becker (Hgg.), Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler 25 (Reprint München 1992) 18f.

 

Eleonore Gürtler