Exlibris-Sammlung Carl Juda, ca. 1880/1930  

Exlibris-Sammlung Carl Juda, ca. 1880/1930

 

ca. 800 Exlibris in 6 Mappen, von Briefmarkengröße bis ca. 200 x 150 mm
abgebildet: Exlibris Carl Juda, 214 x 148 mm

Bibliothek, Inv.-Nr. Exlibris-Sammlung (ohne Inv.Nr.)

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"Exlibris", lat. "aus den Büchern", seit dem Beginn des Buchdruckes im 15. Jahrhundert meist kunstvoll gestaltete Gebrauchsblätter, als Eigentumsvermerke mit Namen oder Monogramm und/oder Wappen des Besitzers auf die Innenseite des vorderen Buchdeckels geklebt, wurden erst seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts Gegenstand des Sammelns. Damit gewannen sie den Charakter der freien Graphik und lösten sich aus dem "Zwang" der Heraldik. Von Anfang an hatten sich hervorragende Künstler, wie Albrecht Dürer, in den Dienst dieser "Kleinkunst" gestellt.

 

Die Exlibris-Sammlung C. Juda ist alphabetisch nach Auftraggebern geordnet. Es handelt sich um ein- und mehrfarbige Original- und Druckgraphiken in einer unerschöpflichen Fülle von Themen (Motiv, Devise), vielen Gattungen und von internationaler Provenienz, die bis nach Amerika reicht. Tirol allein ist durch 23 Künstler vertreten, wie C. H. Walther Kühn (1895-1970), Oswald Hengst (1870-1938), Horatio Gaigher (1870-1938) oder Toni Kirchmayr (1887-1965). Gemäß der zeitlichen Zuordnung der Blätter liegt der stilistisch-künstlerische Schwerpunkt auf Werken des Historismus und qualitativ meist hochstehenden Beispielen des Jugendstils.

 

Carl Juda (geb. 1868 in Brünn) war viele Jahre Direktor der Druckerei "Unico" in Prag. 1910 kam er nach Innsbruck, wo er Gesellschafter der Deutschen Buchdruckerei und 1918 technischer Leiter der Wagnerischen k. k. Universitäts-Buchdruckerei wurde. 1935 starb der als "außerordentlich musischer Mensch geltende und hochgeachtete" Carl Juda in Mühlau. Von Jugend an galt seine Leidenschaft dem Buchdruck, die nicht nur in seiner beruflichen Laufbahn, sondern auch in seiner Exlibris-Sammlung offenkundig wird. Sie wurde nach dem Tod seiner Tochter Adele Juda (München 1888-1949 Innsbruck, bekannte Neurologin) von deren Schwester Nini Bleyer (Madison/USA) 1950 durch Vermittlung von Mitzi Mayr (Innsbruck) dem Ferdinandeum gewidmet (MA 1950, 109). Die Exlibris-Sammlung von Carl Juda bildet zusammen mit der noch umfangreicheren von Hardt-Stremayer, der von Schwärzler und dem chronologisch inventarisierten Bibliotheksbestand - als ältestes das Wappen-Exlibris des Haller Geistlichen Wolfgang Crener, um 1510 - einen wertvollen Fundus, der auch dank des vorzüglichen Erhaltungszustandes Rückschlüsse auf geistige und künstlerische Auffassung in den Zeitabschnitten seiner Entstehung zulässt und in beeindruckender Weise über mehrere Jahrhunderte Einblick bietet in die Vielfalt der graphischen Techniken, Druckverfahren und ihre Entwicklung. Der Bestand im Ferdinandeum dokumentiert auch die lange Tradition der Exlibris-Kunst in Tirol. Stawa verzeichnet allein bis 1800 fast 600 Exlibris, die in Tirol herausgebracht oder für Tiroler geschaffen wurden.

 

Weitere Exlibris-Abbildungen unter 1890, 1904, 1944


Georg Jilovský (1884-1958), Exlibris für Robert Kraus, 1906
Bibliothek, Exlibris-Sammlung Carl Juda



Literatur
Friedrich Warnecke, Die deutschen Bücherzeichen von ihrem Ursprung bis zur Gegenwart (Berlin 1890). - Buchdruckereidirektor i. R. Karl Juda , in: Innsbrucker Nachrichten (13. 5. 1935) 5. - Georg von Stawa, Alte Exlibris aus Tirol (Schlern-Schriften 181, Innsbruck 1958). - Friedrich Stumpfl, Juda Adele. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950 III (Graz-Köln 1965) 141. - Richard Braungart, Das moderne deutsche Gebrauchs-Exlibris (München 1922, Reprint Wiesbaden 1981). - Helmut Franck, Jugendstil-Exlibris (Gütersloh 1984). - Claudia Karolyi / Alexandra Mayerhofer, Das Glück des Sammelns. Die Exlibris-Sammlung Ankwicz-Kleehoven in der ÖNB, in: biblos 46/1 (Wien 1997) 91-114. - In Vorbereitung einer - später nicht durchgeführten - Exlibris-Ausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum wurden von Beate Schwarz (1987) ein provisorischer, handschriftlicher Künstlerkatalog und eine Liste der Eigner erstellt.

 

Kriemhild Graf