Stangenglas, M. 16. Jahrhundert  

Stangenglas, M. 16. Jahrhundert

 

Haller Glashütte
Farbloses Glas mit Gold- und Farbdekor (stark abgerieben),
H ohne Deckel 36,5 cm, H mit Deckel 45 cm, Dm am Mundrand 5,1 cm, Dm am Fuß 9,5 cm

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. GL 84

Bild vergrößern ...

 


Das Stangenglas gehörte zur Kunstsammlung Oskar Bondys (MA 1946, 43). Seit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1938 war jedoch so genannter " jüdischer Kunstbesitz" durch die Geheime Staatspolizei beschlagnahmt worden (MA 1947, 57, 103; 1951, 190). Durch Vermittlung des Institutes für Denkmalpflege Wien waren auch dem Ferdinandeum - wie den meisten österreichischen Bundes- und Landesmuseen - Objekte aus ehemals jüdischen Sammlungen ins Eigentum übertragen worden (MA 1947, 57), teilweise zugewiesen, teilweise "zu einem bevorzugten Preis" (MA 1942, 47) käuflich erworben. Der Reichsstatthalter für Tirol und Vorarlberg stellte dem Ferdinandeum mehrmals Subventionsgelder zur Verfügung, um bei diversen Verteilungen "die Interessen des Reichsgaues wahrzunehmen" (MA 1942, 47; Ausschusssitzung 14. Mai 1942).

 

Auch eine Reihe von Objekten der beschlagnahmten Sammlung Bondy war dem Museum "vom Führer zugewiesen" worden (Ausschusssitzung, 11. Dezember 1940) und kam 1941 gemeinsam mit Kunstgegenständen aus der Sammlung Franz Ruhmann an das Tiroler Landesmuseum (MA 1941, 346). Weitere Objekte aus den Sammlungen Pollak, Rothschild, Reitlinger, Eidinger, Thorsch und Haas gelangten ebenfalls in das Ferdinandeum und wurden in den Jahren nach Kriegsende, wie auch jene der Sammlungen Bondy und Ruhmann, vom Tiroler Landesmuseum an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgestellt (MA 1947, 57; Vollversammlung, 17. Februar 1948), - allerdings nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Objekte mit aller Sorgfalt betreut wurden und das Museum daher ein sehr wesentliches Verdienst daran hat, wenn diese "vollzählig und unversehrt zurückgegeben werden können". Man erinnerte an die notwendigen Auslagerungen - "durch die wiederholten Transporte und die Kosten der ständigen Obsorge sind dem Ferdinandeum namhafte Auslagen entstanden" - und man regte daher an, "eine angemessene Vergütung zu gewähren, sei es in der Form der Überlassung des einen oder anderen Stückes aus der Sammlung" (Ausschusssitzung, 23. September 1947; MA 1951/190).

 

Von den der Sammlung Bondy angehörigen Objekten widmete Frau Elisabeth Bondy dem Museum vier wertvolle Gläser, darunter dieses Stangenglas und ein Passglas (Inv.Nr. GL 83) aus der Erzeugung der Haller Glashütte (Egg 1962, Tafel XXVII, Abb. 62), welche wertvolle Beispiele der Tiroler Glaskunst des 16. Jahrhunderts darstellen.

 

Der Verwaltungsausschuss hat beschlossen, dieses Objekt zu restituieren.


Haller Glashütte, Passglas, 2. H. 16. Jahrhundert
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. GL 83
Der Verwaltungsausschuss hat beschlossen, dieses Objekt zu restituieren.



Literatur
Erich Egg, Alte und neue Glaskunst, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1959 (Innsbruck 1959) 8f und 16, Kat.Nr. 11. - Erich Egg, Die Glashütten in Hall und Innsbruck im 16. Jahrhundert (Tiroler Wirtschaftsstudien 15, Innsbruck 1962). - Zur Frage der Restitution s. Claudia Sporer-Heis, "... sind dem Ferdinandeum Auslagen erwachsen, auf deren Ersatz es Anspruch erheben zu können glaubt ..." - Zur Frage der Restitution jüdischen Eigentums am Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, in: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum 82/II (2002) 7-36. - Claudia Sporer-Heis und Eleonore Gürtler: Restitutionsfälle am Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum im Überblick, in: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum 82/II (Innsbruck 2002) 37-168, zur Sammlung Oskar Bondy vor allem 43-53.

 

Eleonore Gürtler