Bombenschaden und erste Nachkriegszeit  

Bombenschaden und erste Nachkriegszeit

 

abgebildet: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck.
Wiederinstandsetzung nach den Kriegsschäden 1945 (Ausschnitt), 410 x 720 mm

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. Aktenarchiv

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Beim Nachtangriff auf Innsbruck am 10. April 1945 fielen um 22.00 Uhr Sprengbomben auf das Museumsgebäude im Bereich zwischen Kuppel und Ostflügel. Dabei wurden das ganze Dach, alle Säle und Kabinette des zweiten Stockes östlich der Kuppel sowie Teile des ersten Stockes und des Erdgeschoßes und sämtliche Fenster des Gebäudes vollkommen zerstört. Da zu dieser Zeit alle Bestände ausgelagert waren, wurden durch den Angriff vor allem Ausstellungsmöbel und gelagerte Bilderrahmen vernichtet oder beschädigt (MA 1945, 41).

 

In der ersten Sitzung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges am 25. Juni 1945 ernannte der Museumsausschuss die Mitglieder eines Bauausschusses, der sich um die rasche Instandsetzung des Gebäudes bemühen sollte. Ein Jahr später wurde die Innsbrucker Baufirma Huter beauftragt, nach den Plänen des Architekten Karl Watschinger den Bau in Angriff zu nehmen. Die Arbeiten konnten im Jahr 1949 abgeschlossen werden.

 

Hauptaufgabe des Museums in der ersten Nachkriegszeit war zunächst die Rückführung der ausgelagerten Bestände. Die auswärtigen Depots hatten den Krieg ohne Bombardierungen und Beeinträchtigungen durch größere Kampfhandlungen relativ gut überstanden. Jetzt ergab sich aber die Notwendigkeit, die Bergungsorte so schnell wie möglich zu räumen, da die Bestände aufgrund der immer wieder vorkommenden Plünderungen gefährdet waren. Man überstellte sämtliche Bergungsgüter zunächst nach Schloss Ambras, wo sie leichter nach Besitzern - auch 52 Private hatten im Einverständnis mit dem Denkmalamt ihre Kunstwerke in den verschiedenen Depots untergebracht - geordnet und betreut werden konnten. Die Bestände der Bibliothek brachte man ins Ferdinandeum zurück, um sie so schnell wie möglich wieder zugänglich zu machen (Verhandlungsschrift zur Ausschusssitzung, 25. Juni 1945).

 

In der Ausschusssitzung vom 9. November 1945 kann Kustos Vinzenz Oberhammer bereits über die erfolgreiche Rückstellung beinahe der gesamten Bibliotheksbestände, aller Kunstgegenstände aus Stams und eines großen Teiles der Gemälde aus Fügen berichten. Abgesehen von kleineren Beschädigungen seien alle Transporte klaglos verlaufen (Verhandlungsschrift zur Ausschusssitzung, 9. November 1945). Nur beim letzten Büchertransport aus Schönwörth kam es zu einem Unfall vor der Innbrücke bei Kirchbichl, bei dem sich der Anhänger des Autos überschlug und über die Innböschung fiel. Aufgrund des Einsatzes der Begleitpersonen des Transportes und von Helfern aus der bäuerlichen Bevölkerung konnten die Bestände zum größten Teil gerettet werden (MA 1945, 101).

 

Die Rückführungsaktion aus den Auslagerungsdepots konnte im Laufe des Jahres 1946 abgeschlossen werden.


Literatur
Oswald Trapp, Die Kunstdenkmäler Tirols in Not und Gefahr. Bericht des Landeskonservators über die Geschehnisse in den Jahren 1938-1945 (Innsbruck-Wien 1947). - Erich Egg, Chronik des Ferdinandeums 1823 bis 1973, in: Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum 53 (1973) 81f. - Josef Riedmann, Das Bundesland Tirol (1918-1970) (Geschichte des Landes Tirol 4/II, Bozen-Innsbruck-Wien 1988).

 

Claudia Sporer-Heis