Schwazer Majoliken, 1883-1919  

Schwazer Majoliken, 1883-1919

 

Terrine: Ton gebrannt, blau bemalt unter Glasur, 29 x 19,5 x 18 cm
bez.: Prägestempel Nr. "56" auf der Unterseite des Fußes
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. K 182
Vase: Ton gebrannt, blau bemalt unter Glasur, H 37,5 cm
bez. AH 1001 in Blaumalerei unter Glasur und Prägestempel Nr. "141"
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. K 185
Teller: Ton gebrannt, blau bemalt unter Glasur, Dm 34,9 cm, H 4 cm
bez.: AH 1249 in Blaumalerei unter Glasur und Prägestempel "Schwaz" Nr. "46"

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. K 163

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Die bereits 1801 gegründete Schwazer Firma erzeugte vor allem Steingutgeschirr für den täglichen Gebrauch. 1863 übernahm Otto Hußl den Betrieb von seinem Vater Joseph Anton Hußl. Es wurden vor allem Tafel-, Kaffee- und Teeservice, Waschgeschirre, Apothekergefäße, Tinten- und Streusandgefäße, Salbentiegel sowie feuerfeste Ziegel, Zimmeröfen, Sparherde, Kamine und Kaminaufsätze hergestellt.

 

Otto Hußl beschloss, die Produktion umzustellen und zu erweitern und jetzt hauptsächlich künstlerisch hochwertige Sammlerstücke anzufertigen, die seinen Ansprüchen nach "Eleganz in der Ausführung, sauberer Technik, vornehmen Motiven, Vermeidung von Massenproduktion und reicher stilgerechten Ornamentik" entsprechen sollten (Campei-Klapfer, 164). So stellte man ab dem Jahr 1883 unter der Bezeichnung "Schwazer Majoliken" vor allem verschieden geformte Vasen, Honigkrüge, Teller, Kaffee- und Teeservice her, die, oftmals unter Verwendung reicher Goldauflage, mit Zierelementen der Renaissance, orientalischen und bäuerlichen Dekoren, Alpenblumenmotiven sowie Jugendstilmustern kunstfertig bemalt waren. Als Otto Hußl 1919 kinderlos starb, vermachte er seinen Betrieb der Stadt Schwaz, die unter der Leitung von zwölf Gesellschaftern die Firma, trotz der wirtschaftlich äußerst schwierigen Zeit der 20er Jahre, bis 1928 weiterführte.

 

Otto Hußl hatte testamentarisch verfügt, dass jene kunstgewerblichen Artikel aus der Produktionspalette, die in dem in der Fabrik eingerichteten so genannten "Muster- oder Majolikensaal" ausgestellt waren, teils dem Ferdinandeum, teils dem Tiroler Volkskunstmuseum zufallen sollen, falls die Stadt Schwaz den Betrieb einstellt (MA 1937, 50). Als jedoch die Fertigung nach einem Besitzerwechsel wieder aufgenommen wurde, beschloss man, die Objekte als Leihgaben beider Museen in dem zur Fabrik gehörenden Schauraum in Schwaz zu belassen.

 

Nach einem Konkurs 1937 wurde der dem Ferdinandeum zufallende Anteil des Legates Otto Hußls in die Sammlungen eingegliedert. Der durch Schenkungen und Ankäufe angewachsene Bestand an Schwazer Keramikerzeugnissen ermöglicht es, die einzelnen Produktionsperioden des noch bestehenden Tiroler Unternehmens zu dokumentieren.


Aquarellierte Entwurfszeichnungen von Gefäß- und Dekorformen von Schwazer Majoliken der Betriebsperiode 1882-1901
Abbildung aus: Franz Wieser, Zur Geschichte der Schwazer Majoliken-, Steingut- und Thonwaren-Fabrik (1801-1902). Ein Beitrag zur Gewerbegeschichte und Heimatskunde (Schwaz 1903), Unicum-Ausgabe, Goldschnitt, 24 aquarellierte Blätter, persönlich gewidmet von Otto Hußl "Dem löbl. ,Ferdinandeum' ... Schwaz, 15. Mai 1903", Bibliothek, FB 2470



Literatur
Franz Wieser, Zur Geschichte der Schwazer Majoliken-, Steingut- und Thonwarenfabrik (1801-1902). Ein Beitrag zur Gewerbegeschichte und Heimatkunde (Schwaz 1903). - Melitta Köllensperger, Schwazer Majolika (1883-1919). Inaug. Diss. (Salzburg 1984). - Maria Luise Campei-Klapfer, Die Schwazer Majolika- und Steingutfabrik 1802-1938 (Tiroler Wirtschaftsstudien 39, Innsbruck 1989).

 

Eleonore Gürtler