Josef Pembaur d. Ä., 1890  

Josef Pembaur d. Ä., 1890

 

Gustav Klimt (Baumgarten 1862-1918 Wien)
Öl auf Leinwand, 69 x 55 cm
bez. re. u.: GK; oben Inschrift: ANNO · DOMINI · MDCCCLXXXX ·

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 1213

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Neben den Bildnissen des Hofburgschauspielers Josef Lewinsky ("Hofburgschauspieler Josef Lewinsky als Carlos", 1895) und des Musikers Franz Peter Schubert ("Schubert am Klavier", 1899) gehört das Porträt des bekannten Innsbrucker Komponisten und Musikdirektors Josef Pembaur (1848-1923) zu den ganz seltenen Männerporträts, die Gustav Klimt gemalt hat.

 

Das Gemälde besticht durch die gekonnte Mischung zwischen naturalistischer Wiedergabe und allegorischer Überhöhung. Es zeigt die photographisch genaue, zeitgenössische Darstellung Josef Pembaurs, während die symbolistische Ornamentik im Bildhintergrund und im Rahmen auf seine musikalische Tätigkeit verweist. Nach Johannes Dobai (1967, 295) kann als Inspirationsquelle zur Ornamentik des Rahmens die Renaissance der hellenistischen Kultur angesehen werden, die in Walter Cranes Buch "Echoes of Hellas" (1888) und über Rossetti, Whistler und Beardsley auch in der zeitgenössischen symbolistischen und präraffaelitischen Kunst ihren Niederschlag gefunden hat.

 

Der von Klimt selbst bemalte Rahmen zeigt auf der rechten Seite einen auf einer ionischen Säule stehenden hellenistischen Lyraspieler und links einen Opferkessel. Als vergrößertes Fragment scheint die Lyra nochmals im Hintergrund des Gemäldes selbst auf. Rechts unten auf dem Rahmen taucht ein Delphin in die stilisierten Wellen, links unten sind ein weiblicher und ein männlicher Kopf dargestellt. In der Mitte unterhalb des Porträts "hängt" ein von den Initialen G. S. begleitetes Emblem, das Christian M. Nebehay in seiner Klimt-Dokumentation (1969, 116) als Markenzeichen der Münchner Brauerei "Spatenbräu" entschlüsselte.

 

Den Auftrag für das Porträt erhielt Klimt wahrscheinlich 1889 über den Burgschauspieler Georg Reimers, der nach Susanna Partsch (1990, 72) zu den Mitbegründern einer Pembaur-Gesellschaft in Wien gehörte. Das Emblem des "Spatenbräu" hat Klimt einer Manschette entnommen, die ihm Freunde anlässlich eines München-Aufenthaltes am 18. Oktober 1889 übersandt haben.

 

Das Gemälde wurde 1936 auf der 109. Kunstauktion, "Nachlaß Hofrat Georg Reimers", des Wiener Auktionshauses S. Kende mit Unterstützung von "Freunden" der Familie Pembaur erworben (EB 1935-1937, VII). Das Nebeneinander von photographischem Porträt und jugendstilhafter Ornamentik macht das Gemälde nicht nur zu einem Schlüsselbild eines Übergangs zu einem neuen Stil im Schaffen von Gustav Klimt, sondern auch zu einem zentralen Dokument innerhalb der Modernen Galerie am Ferdinandeum.


Literatur
Nachlaß Hofrat Georg Reimers, Katalog der 109. Kunstauktion des Auktionshauses S. Kende (Wien 1936) 14, Kat.Nr. 165, Tafel VIII. - Fritz Novotny / Johannes Dobai, Gustav Klimt (Salzburg 1967) 295, Kat.Nr. 58 (m. Abb.). - Christian M. Nebehay, Gustav Klimt. Dokumentation (Wien 1969) 116 (Abb. 169-170), 118. - Maria Costatino, Klimt (London 1990) 27 (m. Abb.). - Susanna Partsch, Klimt. Leben und Werk (München 1990) 42 (Abb. 9), 68, 72. - Gustav Klimt, Ausstellung Kunsthaus Zürich 1992 (Zürich 1992) 84, Kat.Nr. G 7 (m. Abb.). - In Perfect Harmony, Katalog Van Gogh Museum Amsterdam 1995 / Kunstforum Wien 1995 (Amsterdam 1995) 114, Kat.Nr. 97 (m. Abb.).

 

Günther Dankl