Zwei Fibeln im Frühlatèneschema  

Zwei Fibeln im Frühlatèneschema

 

4. Jahrhundert v. Chr.
Innsbruck-Hötting, Peerhof
Bronze

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 17.768, 17.769

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Während die bronze- und hallstattzeitliche Besiedlung der Hügellandschaft von Innsbruck-Hötting durch zahlreiche Funde belegt ist (Moser 1970), können nur wenige Funde die latènezeitliche Besiedlungsgeschichte erhellen. Hervorzuheben ist z. B. der 1890 auf dem Fuchsegg gefundene, 1891 erworbene stark verschmolzene Negauer Helm vom alpinen Typ mit Flechtbandzier (EB 1891; JB 1890-1891, XXIX), dem der durch Tausch aus dem Eigentum des Grafen Trapp erworbene (Franz 1953) von Schluderns im Vinschgau an die Seite zu stellen ist.

 

Weiters verdienen die beiden Frühlatènefibeln vom Peerhof eine eingehende Betrachtung. Sie wurden 1931 beim ehemaligen Peerhof, rund 200 Meter westlich des Galgenbühels, der Richtstätte der Sonnenburg, bei der Schottergewinnung zusammen mit einer eisernen Lanzenspitze aus einer schwarzen Brandschicht geborgen und vom Abt des Stiftes Wilten, Heinrich Schuler, vorgelegt (Schuler, 171f). Die anbei gefundenen "Urnenscherben von rotem Ton" wurden wenig beachtet zurückgelassen.

 

Die beiden vermutlich in derselben Werkstatt gefertigten Fibeln des 4. Jahrhunderts v. Chr. (Moser 1965; Adam, 142), Geschenke des Schotterwerksbesitzers Anton Peer (EB 1935; JB 1935/36 [! recte: 1934/35], V), sind typengleich und bildeten, Leonhard Franz folgend, eine Garnitur (Franz 1953, 230): Die vorzüglich erhaltene, 11,2 cm lange Fibel trägt einen in die Spiralsehne eingezogenen ringförmig zusammengebogenen Bronzedraht vermutlich zur Befestigung eines Anhängers. Auf der Schauseite zieren feine Rippen und Strichgravur den gebogenen, im Querschnitt rhombischen Fibelbügel. Der Fibelfuß ist umgeschlagen und endet in einem profilierten Fortsatz. Die zweite, etwas kleinere, 9,9 cm große Fibel mit nur teilweise erhaltener Spirale und fehlender Nadel weist nahezu den gleichen Bügeldekor auf, lediglich die feine Mittelrippe ist unverziert. Beiden Fibeln fehlen die Koralleneinlagen am kleinen profilierten Fuß.


Literatur
Leonhard Franz, Zu den Helmhüten der Ostalpenländer. In: Beiträge zur älteren europäischen Kulturgeschichte II, Festschrift für Rudolf Egger (Klagenfurt 1953) 223-232. - Egon K. Moser, Die Funde vom Peerhof. In: Osmund Menghin / Hermann M. Ölberg (Hgg.), Festschrift Leonhard C. Franz zum 70. Geburtstag (Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft 11, Innsbruck 1965) 297-305. - Egon K. Moser, Vorgeschichtliche Siedlungs- und Fundtopographie von Innsbruck-Hötting, in: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien 50 (1970) 194-206. - Anne Marie Adam, Le fibule di tipo celtico nel Trentino (Patrimonio storico artistico del Trentino 19, Trento 1996).

 

Wolfgang Sölder