Bimsstein von Köfels  

Bimsstein von Köfels

 

Bimssteinprobe, gelbbraun
ca. 20 x 10 cm

Naturwissenschaftliche Sammlungen, Inv.-Nr. P 7000/98

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Die abgebildete Bimssteinprobe stellt einen sehr schönen Beleg und eine wichtige Dokumentation für das Bimssteinvorkommen von Köfels dar, umso mehr, als Neufunde, insbesondere in der Qualität des vorliegenden Belegstückes, schon seit Jahren nicht mehr bekannt wurden.

 

Bimssteine sind graubraune bis gelbbraune (wie auch das Belegstück in der Sammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum), auch grau bis schwarz gefärbte Gesteine, die Erstarrungsprodukte einer sehr gasreichen Schmelze darstellen, wobei die Entgasung der Schmelze vor der Erstarrung den letztendlich sehr hohen Hohlraumanteil dieser Gesteine erklärt, der wiederum für die niedrige Dichte des Materials verantwortlich ist (Bimsstein ist leichter als Wasser).

 

Das Ötztal ist im Bereich Tumpen - Umhausen - Längenfeld morphologisch insbesondere durch den Bergsturz von Köfels gekennzeichnet, der der größte Bergsturz in kristallinen Gesteinen in den Alpen ist. Durch diesen Bergsturz wurde das mittlere Ötztal mit rund 2-3 km³ Gesteinsmaterial aufgefüllt. Im Längenfelder Becken entstand infolge des Rückstaues der Ötztaler Ache ebenso ein See wie im Bereich des heutigen Niederthai, bedingt durch die Abriegelung und den Rückstau des Haierlachbaches.

 

Das postglaziale Alter des Bergsturzes wird durch das Fehlen von Moränenbedeckung auf dem Bergsturz und die absolute Datierung eines Holzrestes aus dem Schutt des Haierlachbaches, unmittelbar unter der Bergsturzbasis, belegt. Demnach kann die Abriegelung des Ötztales durch den Bergsturz von Köfels auf einen Zeitraum um 8750 ± 150 Jahre vor heute festgelegt werden.

 

Aus den Ablagerungen des Bergsturzes sind schon seit über 100 Jahren verschiedene Materialien bekannt, die auf das Schmelzen von Gesteinen hindeuten und die normalerweise als Produkte vulkanischer Aktivität angesehen werden. Am bekanntesten wurden die Funde von Bimsstein im Bereich von Köfels, die wohl als eines der bekanntesten geologischen Phänomene Tirols angesehen werden können.

 

Primär als Produkte vulkanischer Aktivität angesehen (Pichler 1863; Hammer 1924; Ampferer 1939) wurde die Entstehung des Bimssteins von Köfels in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts (Suess 1936 und Stutzer 1936) und dann erneut seit den 60er Jahren (Kurat/Richter 1972; Surenian 1989) mit einem Meteoriteneinschlag in Zusammenhang gebracht.

 

Seit den 70er und 80er Jahren schließlich interpretieren verschiedene Wissenschafter den Bimsstein von Köfels als "Friktionit", also als infolge der großen Reibungshitze auf den Gleitflächen des Bergsturzes im Zuge des Abgleitens desselben entstandenes Material (Erismann 1977; Heuberger 1984; March 1985).


Literatur
Adolf Pichler, Zur Geognosie Tirols II. Die vulkanischen Reste von Köfels, in: Jahrbuch der Geologischen Reichsanstalt Wien 13 (1863) 591-594. - Wilhelm Hammer, Ein Vorkommen jungvulkanischen Gesteins in den Tiroler Zentralalpen, in: Zeitschrift für Vulkanologie 84 (1924) 238-242. - Otto Stutzer, Die Talweitung von Köfels/Tirol als Meteorkrater, in: Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft 88 (1936) 523-525. - Franz Eduard Suess, Der Meteor-Krater von Köfels bei Umhausen im Ötztale, Tirol, in: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, Abhandlungen 72, Beilagenband, Abteilung A (1936) 98-155. - Otto Ampferer, Die geologischen Hypothesen über die Formung des Talraumes zwischen Umhausen und Längenfeld im Ötztal, in: Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse, Abteilung 1, 148 (1939) 123-140. - Gerno Kurat / Wolfram Richter, Impaktit von Köfels, in: Tschermaks Mineralogisch Petrographische Mitteilungen 17 (1972) 23-45. - T. H. Erismann / Helmut Heuberger / Ekkehard Preuss, Der Bimsstein von Köfels (Tirol), ein Bergsturz-"Friktionit", in: Tschermaks Mineralogisch Petrographische Mitteilungen 24 (1977) 67-119. - Helmut Heuberger / Ludwig Masch / Ekkehard Preuss / Alfred Schröcker, Quartenary landslides and rock friction in Central Nepal and in the Tyrolean Alps, in: Mountain Research Development 4 (1984) 345-362. - Ludwig Masch / H. R. Wenk / Ekkehard Preuss, Electron microscopy study of hyalomylonites-evidence for frictional melting in land-slides, in: Tectonophysics 115 (1985) 131-160. - Rouben Surenian, Shock Metamorphism in the Koefels Structure (Tyrol, Austria). In: Abstracts of the 52nd Annual Meeting of the Meteoritical Society, July 31 - August 4 (Vienna 1989) 234. - Rouben Surenian, Das Köfels-Ereignis im Ötztal: Überblick über Geomorphologie und Forschungsgeschichte. In: Tagungsband Arbeitstagung der Geologischen Bundesanstalt Wien 1993, Geologie des Oberinntaler Raumes, 151-155. - Gert Ammann, Zur Geschichte der Provenienz des Altares von Schloss Tirol, in: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum 80 (Innsbruck 2000) 57-66.

 

Thomas Bidner