Claudio Monteverdi, um 1630  

Claudio Monteverdi, um 1630

 

Bernardo Strozzi (Genua 1581-1644 Venedig)
Öl auf Leinwand, doubliert, 84 x 70,5 cm

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 503

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Auf dem Titelblatt der von Giovanni Battista Marinoni edierten Trauerschrift Monteverdis "Fiorii poetici" (1644) findet sich ein Männerporträt - gestochen von einem anonymen, vermutlich venezianischen Künstler. Aufgrund der großen Ähnlichkeit des Dargestellten auf dem Stich und dem Herrenbildnis im Besitz des Tiroler Landesmuseums identifizierte man den Porträtierten als den berühmten italienischen Komponisten Claudio Monteverdi. Als Schöpfer des Bildes sah man aus stilistischen und kompositorischen Gründen den zur selben Zeit in Venedig lebenden Maler Bernardo Strozzi an (Mortari 1966, 139). Diese These wurde durch ein beinahe identisches Gemälde bestätigt, das der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien gehört (Öl auf Holz, 94,5 x 71 cm, Signatur Bi 1243 B) und rechts unten eine nur mehr unvollständige, aber dennoch aufschlussreiche Inschrift hinsichtlich des Künstlers sowie des Dargestellten gibt: "BERNARDI [E]GREGIA / STROZZ[I] DEPICT... / ABA... CLAUDIUS / VIRIDI MONTE ... / ... VOCOP ... / SERA CUPIS RET... / SENES ... / O MEDEA TUUM / SPERNERET [A...] ... / ... VLII S[TR]OZZ[I]".

 

Bernardo Strozzi lebte und arbeitete von 1630/31 an bis zu seinem Tod in Venedig. Hier muss auch das Porträt des großen italienischen Komponisten Claudio Monteverdi (getauft 1567-1643) gemalt worden sein, der 1613 die Stellung des "Maestro di cappella" von S. Marco in Venedig übernommen hatte. Durch seine vielseitigen Leistungen wurde er zum führenden Komponisten des Frühbarocks und wirkte bahnbrechend auf dem Gebiet der Oper, der geistlichen Musik sowie der Kammermusik.

 

Das heute berühmte Innsbrucker Bildnis Monteverdis befand sich unter 179 Gemälden des umfangreichen Legates Ludwig von Wiesers, der wie sein Bruder Johann zu einem der größten Gönner des Ferdinandeums zählt. Damals wurde das Bild noch Giovanni B. Moroni zugeschrieben und galt als das "Portrait des Musikers Giovanni Palestrina" (Katalog der Gemälde-Sammlung des Ferdinandeum zu Innsbruck (Innsbruck 1899) 34, Nr. 503). In einem Nachruf auf den 1888 verstorbenen Ludwig von Wieser heißt es: "In einem Zeitraum von nicht einmal 20 Jahren brachte er eine fast unglaublich reiche und mannigfache Sammlung von Kunst- und kunstgewerblichen Gegenständen zusammen: Gemälde, Waffen, Bronce-Statuetten, Thürklopfer, Kassetten, Krucifixe, Mörser, Münzen, Kameen und Antikaglien aller Art ... Den wertvollsten Theil seiner Erwerbungen repräsentieren unstreitig die Gemälde, circa 250 Stück, darunter vorzügliche Arbeiten italienischer und niederländischer Meister ... Noch bei Lebzeiten hat Hofrath Wieser 50 Stück Oelgemälde dem Ferdinandeum gespendet. Als er am 27. März dieses Jahres starb ... fielen laut testamentarischer Bestimmung seine sämtlichen Sammlungen dem vaterländischen Museum zu." (JB 1888, V-VIII sowie XXXII, Nr. 10)


Josef Büche (1848-1917), Ludwig Ritter von Wieser zu Wiesenhorst, Kopie von 1900 des vom gleichen Künstler 1882 gemalten Originals
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 1998



Literatur
Die Angaben zum Gemälde von Claudio Monteverdi, gemalt von Bernardo Strozzi, im Besitz der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, mit dem Wortlaut der Inschrift übermittelte freundlichst Frau Mag. Sylvia Manhart, Archiv, Bibliothek, Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Luisa Mortari, Su Bernardo Strozzi, in: Bollettino d'Arte del Ministerio della Pubblica Istruzione 4 (1955) 311-333, Abb. 18. - Hans Ferdinand Redlich, Monteverdi Claudio Zuan. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik 9 (Kassel-Basel-London-New York 1961) 511-531, Tafel 32, Abb. 2 und Vergleichsabb. S. 514. - Luisa Mortari, Bernardo Strozzi (Roma 1966) 139, Abb. 436. - Werner Braun, Die Musik des 17. Jahrhunderts 4 (Wiesbaden 1981) 316, mit Abb. - Rolf Kultzen (Bearb.), Venezianische Gemälde des 17. Jahrhunderts, Gemäldekatalog X/1, Bayerische Staatsgemäldesammlungen Alte Pinakothek München (München 1986) 66.

 

Eleonore Gürtler