Fassade des Ferdinandeums, 1884  

Fassade des Ferdinandeums, 1884

 

Natale Tommasi (Cognola 1853-1923 Trient)

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Die Fassade ist im Stil der Florentiner Neurenaissance mit einer Säulenvorhalle, einer stark plastischen Fenstergliederung, horizontalen Fries- und Gesimsbändern und einem Balustradengesims mit figuralen Skulpturen gestaltet. Der Terrakottafries zwischen dem ersten und zweiten Geschoß nimmt in Medaillons Porträtköpfe von berühmten Tiroler Künstlern auf (von links nach rechts): Paul Dax, Gregor Löffler, Alessandro Vittoria, Alexander Colin, Martin Knoller, Joseph Schöpf, Angelika Kauffmann (mehr zu ihr unter 1831), Michelangelo Unterberger, Franz Zauner, Johann Baptist Lampi, Joseph Anton Koch (mehr zu ihm unter 1836, 1846 und 1873), Dominikus Mahlknecht (mehr zu ihm unter 1859). Das Programm der Künstlerporträts hatte der historische Fachdirektor Professor Josef Egger vorgelegt. Laut Fischnaler 1934, 235, waren die Baumittel derart knapp, dass Tommasi gezwungen war, für die Friesverzierung zeitweilig im Rathaushof eine eigene Terrakotta-Werkstätte einzurichten. In den Fenstergiebeln des zweiten Obergeschosses sind die Köpfe berühmter Dichter und Wissenschafter eingesetzt (von links nach rechts): Oswald von Wolkenstein (mehr zu ihm unter 1825), Hieronymus Tartarotti, Johann Anton Scopoli, Peter Anich (mehr zu ihm unter 1849), Jakob Philipp Fallmerayer (mehr zu ihm unter 1910), Joseph Bergmann, Anton von Rosmini, Pius Zingerle und Hermann von Gilm. Diese Porträtköpfe hatte der Steinmetz Anton Spagnoli aus Isera in Marmor aus Arco gemeißelt (1889).

 

Seit 1880 betrieb der Vorstand die Museumsvergrößerung, die Innsbrucker Sparkasse stiftete 8000 Gulden, der Landtag 2000 Gulden. 1882 entschloss man sich zur Realisierung. Mit den Planungen wurde der städtische Ingenieur Natale Tommasi betraut. Mit finanzieller Unterstützung von Kaiser Franz Joseph, der Tiroler Landschaft, der Stadt Innsbruck und der Innsbrucker Sparkasse konnte der Ausbau (um 33.000 Gulden) durch den Innsbrucker Baumeister Eduard Mayr in Angriff genommen werden. 1883 mussten der Landtag und die Stadt Innsbruck nochmals je 1000 Gulden spenden, und die Innsbrucker Sparkasse trug 13.000 Gulden zur Finanzierung bei. Das Darlehen der Innsbrucker Sparkasse lief bis 1935. Am 3. September 1883 fand die Firstfeier statt. 1884 war die Fassade weitgehend vollendet.

 

1886/88 wurde die Vorhalle errichtet. Die mittlere Giebelgruppe der Tyrolia schuf der Tiroler Bildhauer Josef von Gasser in Wien 1889. Die 1902 aufgesetzten seitlichen Giebelfiguren der Künste mussten aber 1945 wegen Absturzgefahr entfernt werden. Die beiden seitlich der Vorhalle postierten Sphingen wurden vom Bildhauer Franz Baumgartner 1903 aufgesetzt.

 

Der Architekt Natale Tommasi studierte von 1878 bis 1885 an der Technischen Hochschule in München. Er trat in den Dienst des Landesbauamtes ein und wirkte später im Bauamt der Stadt Innsbruck. 1881 erstellte er einen Bauplan für die Staatsgewerbeschule in Innsbruck. Weitere Pläne schuf er für die Marienkirche und Ruhmeshalle in Pola (1892, 1915). Ab 1900 restaurierte er das Castel Buonconsiglio in Trient. 1905 plante er das neue Postgebäude in Innsbruck.


Neujahrsentschuldigungskarte der Stadt Innsbruck, 1884
Bibliothek, FB 4965
Mehr zu Neujahrsentschuldigungskarten allgemein unter 1924



Literatur
Das Landes-Museum in Innsbruck. (Umbau des "Ferdinandeum") Architekt: Natale Tommasi, Sonderdruck aus der Allgemeinen Bauzeitung 7 (1886) 1f, Bll. 40-46. - Konrad Fischnaler, Innsbrucker Chronik III (Innsbruck 1930) 124. - Konrad Fischnaler, Innsbrucker Chronik V (Innsbruck 1934) 235. - Erich Egg, Chronik des Ferdinandeums 1823-1973, in: Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum 53 (1973) 48ff.

 

Gert Ammann