Dammbruch bei Niederdorf, 1882  

Dammbruch bei Niederdorf, 1882

 

Josef Gugler (Bozen 1824-1892 Bozen)
Beispiel aus einem Konvolut von Fotografien als Dokumentation zur Hochwasserkatastrophe 1882
Albuminpapier, 225 x 300 mm, auf Karton 348 x 481 mm

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Fotografien V/3

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Eine katastrophale Überschwemmung südlich des Alpenhauptkammes im Jahr 1882 bedeutete die schlimmste Naturkatastrophe des ausgehenden 19. Jahrhunderts. "Die Welt geht unter! Die Welt geht unter! erscholl es am 16. und 17. September des Jahres 1882 aus Hunderten von Kehlen, voll Angst über die niedergehenden Wassermassen, die von allen Seiten daherbrausten", heißt es in einem Bericht im Volks- und Landwirtschafts-Kalender für Tirol und Vorarlberg für 1883. Seit 14. September waren über das südliche Tirol wolkenbruchartige Regengüsse niedergegangen, sodass die Hauptflüsse anschwollen und Muren losbrachen. Besonders schwer traf es das Pustertal: "In einigen Häusern zu Toblach zeigte man schon früher Stuben, die wie Keller unter der Erde sind und unter denen erst der eigentliche Keller liegt, dieselben sind im Jahre 1821 so eingemuhrt worden. Jetzt sind diese Häuser abermals eingemuhrt und dieselben haben nun 3 Stockwerke unter der Erde." (Volkskalender 1883)

 

Von der Katastrophe waren die Bahnlinien stark betroffen: Die Pustertalbahn wurde in weiten Teilen von Drau und Rienz zerstört. Der Eisack führte ein derartiges Hochwasser, dass er den Kuntersweg und die Eisenbahn mit ungeheurer Gewalt wegriss und Bäume durch den Tunnel bei Blumau schwemmte. In Trient musste man sogar Schiffe und Flöße bauen, um eine Verbindung innerhalb der Stadt zu ermöglichen.

 

Die Erfindung der Fotografie und die Freigabe des fotografischen Verfahrens durch den französischen Staat 1839 hatte dem Ferdinandeum ein neues Sammelgebiet eröffnet. In seinen Anfängen zunächst als Kunstform betrachtet, bot das neue Medium bald eine ideale Möglichkeit der bildlichen Dokumentation von Personen, Kunstwerken, Landschaften und Begebenheiten.

 

Elementarereignisse wie das Hochwasser im Jahr 1882 waren für Fotografen der damaligen Zeit Grund genug "auszuschwärmen", um Stimmungsbilder und Dokumentationsfotografien der Schäden aufzunehmen. In diesem Fall war auch die k. k. privil. Südbahngesellschaft wegen der Schäden an den Bahnlinien an einer Fotodokumentation interessiert.

 

Im Jänner 1883 wandte sich das Ferdinandeum an die Südbahngesellschaft mit der Bitte, Lichtbilder von der Hochwasserkatastrophe zu vermitteln. Aus Bozen wurden daraufhin Listen mit zahlreichen Aufnahmen von verschiedenen Fotografen zur Auswahl gesandt. Trient schickte gleich einige Exemplare von Altadonna und Unterveger (MA 1883, 22). Ende Jänner / Anfang Februar 1883 wurden insgesamt 124 Aufnahmen von G. B. Altadonna, F. Bopp, G. Egger, J. Gugler, E. Lotze und G. B. Unterveger angekauft (EB 1883).


Überschwemmung in Trient, Aufnahme von G. B. Unterveger
Historische Sammlungen, Fotografien V/18



Literatur
Überschwemmung in Tirol. In: Volks- und Landwirtschafts-Kalender für Tirol und Vorarlberg auf das gemeine Jahr nach der gnadenreichen Geburt unseres Heilands Jesu Christi 1883, o. S. - Meinrad Pizzinini / Michael Forcher, Alt-Tiroler Photoalbum (Salzburg 1979). - Florian Pichler, Südtirol in alten Lichtbildern. Die Anfänge der Photographie in Südtirol und die ältesten Photographen (2. Aufl., Bozen 1981). - Geschichte der Fotografie in Österreich, Katalog 1983 (Bad Ischl 1983). - Zeit-Bilder. 150 Jahre Photographie. Tirol, Südtirol, Trentino, Katalog Bozen-Innsbruck-Trento 1989 (Bozen 1989).

 

Claudia Sporer-Heis