Bauernmarkt in St. Gertraudi bei Brixlegg  

Bauernmarkt in St. Gertraudi bei Brixlegg

 

1819
Jakob Placidus Altmutter (Innsbruck 1780-1819 Schwaz)
Aquarell, 434 x 605 mm
bez. li. u.: J. P. Altmutter inv. et pinx. 1819

Graphische Sammlungen, Inv.-Nr. T 2079

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Die verstärkte Hinwendung zur Natur und zur Landschaft am Beginn des 19. Jahrhunderts führt auch zu einem erwachenden Interesse an der ländlichen und bäuerlichen Kultur. Die Aufmerksamkeit der Künstler dabei gilt in erster Linie der Darstellung der Trachten und des Brauchtums sowie den Festen und den Feiern, die mit volkskundlichem Wissen angereichert und mit viel Liebe zum Detail geschildert werden. In Tirol ist es vor allem Jakob Placidus Altmutter, der als "Vater des alpinen Sittenbildes" mit seinen Trachtenbildern und Darstellungen mit zu den frühesten Vertretern dieses Themenkreises gezählt werden kann. Darüber hinaus hat sich Altmutter als zeitgenössischer Bildberichterstatter und Schilderer des "Tiroler Freiheitskampfes" hervorgetan.

 

Bei dem Aquarell "Bauernmarkt in St. Gertraudi bei Brixlegg" handelt es sich um eine Arbeit aus dem letzten Schaffensjahr des Künstlers. Es schildert den "Gertraudimarkt", den größten Bauernmarkt des Unterinntales, der jeweils am Tag der hl. Gertraud, dem 17. März, begann und volle 14 Tage dauerte. Er stand unter dem besonderen Schutz der Burg Kropfsberg, dem Wahrzeichen des kleinen Straßendorfes am Inn. Eingebettet in die Landschaft mit der Burg Kropfsberg und der Kirche von St. Gertraudi im Hintergrund findet das geschäftige Treiben des Bauernmarktes statt. Mit viel Liebe zum Detail zeigt die Darstellung u. a. links vorne ein Tuxerpaar beim Verkauf von Butterkugeln und Wildbret, in der Mitte einen Wanderhändler aus dem Zillertal mit einer Rückenkraxe, rechts den Verkauf von Schwazer "Fazzelhauben" und einen Schnitzwarenhändler aus Gröden.

 

Das Aquarell wurde 1866 gemeinsam mit drei weiteren "in Sepia getuschten Original-Zeichnungen" des Künstlers als " Jahrmarkt in Zirl" vom Münchener Kunsthändler C. Bollweck erworben (EB 1866, 5. Oktober, Nr. 5 bzw. JB 1866/1867/1868, XXVIII). Das Aquarell zählt neben den weiteren Zeichnungen und Aquarellen Altmutters zu den bedeutenden Darstellungen aus dem Tiroler Volksleben der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts.


Jakob Placidus Altmutter (1780-1819), Andreas Hofer, 1809. Das Hofer-Porträt J. P. Altmutters gilt als das authentischste Porträt des Helden von 1809.
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 1273
Mehr zu Andreas Hofer u. a. unter 1824 und 1882


Jakob Placidus Altmutter (1780-1819), Bauerntheater, um 1805/10
Graphische Sammlungen, T 1149
Mehr zum sog. Bauerntheater unter 1931



Literatur
Gert Ammann, Jakob Plazidus Altmutter. In: Die Tirolische Nation 1790-1820, Katalog Tiroler Landesausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1984 (Innsbruck 1984) 453f. - Jakob Placidus Altmutter (1780-1819), Katalog Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol 1993 (Dorf Tirol 1993) 50, Kat.Nr. 76, Abb. 43.

 

Günther Dankl