Pressluftlokomotive, 1844  

Pressluftlokomotive, 1844

 

Johann Kravogl (Lana 1823-1889 Brixen)
Eisen, Messing, 47,5 x 8,7 x 20,3 cm

Historische Sammlungen, Inv.-Nr. Technik 17

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Das funktionsfähige Modell einer Pressluftlokomotive aus Metall, das durch die Expansionskraft der Luft in Bewegung gesetzt wurde, hat die Form eines vierräderigen Wägelchens. Bei diesem Modell handelt es sich um die erste Erfindung von Johann Kravogl, die sein überragendes technisches Talent bezeugte, zumal Kravogl zu diesem Zeitpunkt über keinerlei weitergehende technische Vorbildung verfügte.

 

Das Modell zeigt einerseits das Erfindergenie Kravogls, andererseits seine überragenden Fähigkeiten - als Autodidakt - auf dem Gebiet der Metallbearbeitung, Feinmechanik und Durchführung einer Neukonstruktion. Johann Kravogl konstruierte außerdem eine ausgezeichnete Quecksilber-Vakuumluftpumpe, welche alle bisherigen Pumpen bei weitem übertraf. Dazu kamen noch ein Schnellfeuergewehr, womit 60 Schuss pro Minute abgefeuert werden konnten, und das "elektrische Kraftrad" - ein unmittelbarer Vorläufer des Elektromotors, basierend auf dem elektrodynamischen Prinzip. Johann Kravogl war ein schüchterner Einzelgänger, der wohl ein genialer Denker und Konstrukteur war, aber große Probleme im Umgang mit anderen Menschen, besonders mit höhergestellten Persönlichkeiten, hatte. Er verlor früh seine Eltern, absolvierte eine Schlosserlehre in Imst und ließ sich nach seiner Wanderschaft zunächst in Zams nieder, wo er das Modell der Pressluftlokomotive konstruierte. In den folgenden Jahren arbeitete er in München und Wien; hier konnte er auch seine Kenntnisse durch den Besuch von Universitätslehrgängen erweitern. 1857 kehrte er nach Tirol zurück, 1858 zog er zu Bruder und Schwester nach Innsbruck/Wilten, wo er eine kleine mechanische Werkstätte einrichtete. Seine Arbeiten waren so gut, dass er den Titel eines k. k. Universitätsmechanikers verliehen bekam, der jedoch keinerlei Einkünfte mit sich brachte. Die Erfindung des Elektromotors brachte Kravogl eine Anerkennung des Kaisers von 1000 Gulden und das Goldene Verdienstkreuz. 1877 übersiedelte er zu seinem Neffen Josef nach Brixen, wo er auch 1889 starb.

 

Zur Pressluftlokomotive siehe auch Chronik 1857


Johann Kravogl
Bibliothek



Literatur
Ernst Attlmayr, Tiroler Pioniere der Technik (Tiroler Wirtschaftsstudien 23, Innsbruck 1968) 41ff. - Rudolf Granichstaedten-Czerva, Johann Kravogl (Wien 1929). - Karl Meusburger, Zum 50. Todestag des Erfinders Johann Kravogl 1. 1. 1889 - 1. 1. 1939, Sonderdruck aus dem Jahresbericht des Gymnasiums Vinzentinum über das Schuljahr 1937/38 (Brixen 1938).

 

Meinhard Neuner