Prunkmesser  

Prunkmesser

 

7. Jahrhundert v. Chr.
Zams-Kronburg
Bronze, L 41 cm

Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.-Nr. U 113

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Das Erwerbungsbuch des Jahres 1851 verzeichnet unter den "antiken, mittelalterlichen und neuen Merkwürdigkeiten" den Ankauf von einem "Opfermesser? hetruskisches, gefunden auf Kronburg im Oberinnthale vom Bauersmann Schlatterer in Zams" um 3 Gulden, das im Berichtsjahr in der Nähe der Ruine Kronburg durch einen Erdrutsch freigelegt worden war (EB 1851; MA 1852, 13; JB 1851-1852, 28).

 

Der bronzene Vollgriff mit leicht verdicktem Mittelteil und antennenförmig ausgebildeten, nach innen gewandten Vogelprotomen als Knauf ist an der stark geschwungenen Klinge durch vier Niete befestigt. Die unverzierte Klinge verstärkt eine deutlich ausgebildete Rückenrippe.

 

Oberitalische Vergleichsfunde, im Besonderen jene der Nekropolen von Baldaria, Este, und Melenzani, Bologna, lassen anhand ähnlicher, lotusblütenartig gestalteter, auf etruskische Vorbilder zurückgehender Knäufe (Egg, 414f ) eine Datierung des Prunkmessers von Zams-Kronburg in das 7. Jahrhundert v. Chr. zu. Etwas älter hingegen ist das 1893 erworbene, in einem Stück gegossene Bronzeprunkmesser mit S-förmigem Klingenschwung vom Locherboden bei Mieming (EB 1893, JB 1893-1894, XXX), dessen Klinge mit Kreisaugen, der gegliederte Griff und der Knaufring mit feinem Strichdekor verziert sind (Menghin, 53f ).

 

Für die Verwendung des Prunkmessers von Zams-Kronburg im sakralen Bereich spricht auch der Fund einer Garnitur von vier Bronzestäbchen des 5. Jahrhunderts v. Chr. (EB 1892), die Liselotte Zemmer-Plank (Zemmer-Plank 1980) überzeugend als Losstäbchen zur Weissagung im kultisch-religiösen Bereich und bei der Jurisdiktion ansprach; beide Funde lassen eine Opferstätte auf dem mächtig von der Talsohle aufragenden Felskegel in der Nähe der Ruine Kronburg vermuten (Zemmer-Plank 1997).


Prunkmesser, Bronze
Mieming, Locherboden
8. Jh. v. Chr.
Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen, Inv.Nr. U 114



Literatur
Ein archäologischer Fund, in: Der Phönix. Zeitschrift für Literatur, Kunst, Geschichte, Vaterlandskunde, Wissenschaft und Theater 3/1 (3. Jänner 1852) 8. - Osmund Menghin, Zur Vor- und Frühgeschichte des Bezirkes Landeck. In: Raimund Klebelsberg (Hg.), Landecker Buch I (Schlern-Schriften 133, Innsbruck 1956) 39-75. - Liselotte Zemmer-Plank, Bronzene Stäbchengarnituren im Ferdinandeum, in: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum 60 (1980) 211-233. - Markus Egg, Spätbronze- und eisenzeitliche Bewaffnung im mittleren Alpenraum. In: Ingrid R. Metzger / Paul Gleirscher (Hgg.), Die Räter / I Reti (Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer Kommission III / Kultur, Bozen 1992) 401-438. - Liselotte Zemmer-Plank, Zams - Kronburg (Tirol). In: Kult der Vorzeit in den Alpen. Opfergaben - Opferplätze - Opferbrauchtum, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1997 (Innsbruck 1997) 76.

 

Wolfgang Sölder