Kelle und Hammer, 1838  

Kelle und Hammer, 1838

 

Franz Ghedina (seit 1818 in Innsbruck tätig)
Silber mit Holzgriff, Kelle L 26,5 cm, Hammer L 17 cm

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. GO 110 a, b

Bild vergrößern ...

 


Die Marke und der Namenszug weisen die beiden Werkzeuge als Arbeiten des Innsbrucker Goldschmiedes Franz Ghedina aus dem Jahre 1838 aus. Ghedina lernte seit 1818 als Lehrjunge beim Innsbrucker Goldschmied Jakob Goller (Eintragung im Zunftbuch), 1828 war Ghedina bereits Meister. 1838 lieferte er anlässlich der Erbhuldigungsfeier in Innsbruck Tiroler-Adler-Abzeichen und vergoldete die Stadtschlüssel, die Kaiser Ferdinand überreicht wurden (Konrad Fischnaler, Innsbrucker Chronik V (1934) 84f). 1859 lieferte er für die Hofburgkapelle in Innsbruck eine silberne und vergoldete Monstranz in gotisierendem Stil (Bothe für Tirol und Vorarlberg 202 (1859) 860).

 

Mit diesen beiden Werkzeugen nahm Erzherzog Stephan am 30. August 1842 die Grundsteinlegung zur Stephansbrücke am Schönberg vor. Sie war die größte und weitestgespannte, einbogige Steinbrücke der österreichisch-ungarischen Monarchie und wies mit 43,63 m die damals drittgrößte Spannweite der Welt auf. Die von Leonhard von Liebener und den Bauunternehmern Paul Banotti und Al. Lazzaris errichtete Brücke wurde am 18. Dezember 1845 fertiggestellt. Anlässlich der Anwesenheit Erzherzog Stephans 1842 in Innsbruck wurde auf der Frau Hitt ein gemaltes Riesengemälde Andreas Hofers errichtet, dem "der beklagenswerte, geniale Dichter Johann Senn etliche patriotische Verse widmete" (Konrad Fischnaler, Innsbrucker Chronik III (1930) 34).

 

Diese Kelle und diesen Hammer hatte aber auch Erzherzog Johann bei der Grundsteinlegung des Museumsbaues 1842 verwendet, welcher am 15. Mai 1845 durch ihn eröffnet wurde.

 

Zwei Rundschreiben vom 19. und vom 26. September 1842 an die Mitglieder des Tirolischen Nationalmuseums informierten über die bevorstehende Grundsteinlegung durch Erzherzog Johann (MA 1842, 130) anlässlich seines Aufenthaltes am 30. September oder 1. Oktober.

 

Die Grundsteinlegung des Museumsgebäudes erfolgte am 2. Oktober 1842; die Abschrift der Urkunde liegt beim MA 1842, 152 (ebenso die Rede anlässlich der Aufstellung des Dachstuhls).

 

Am 1. April wurde der Museumskassier Dr. Schletterer aufmerksam gemacht, "dass die silberne Kelle und Hamer, welche der Verstorbene dem Museum zugesichert hatte, diesem nicht entzogen werden" (MA 1848, 62). Am 3. April 1848 fand die Versteigerung der zur Verlassenschaft gehörenden Einrichtungsstücke des ehemaligen Generalsekretärs des Ferdinandeums, Johann von Reinhart, statt. Am 9. Mai 1848 kam die Garnitur als Legat Johann von Reinharts ans Museum (EB 1848: Im Erwerbungsbuch von 1848 scheint die Erwerbung unter "V. Merkwürdigkeiten Antike, mittelalterliche und neue." und unter der Jahreszahl 1847 auf. Dies dürfte eindeutig ein Schreibfehler sein).

 

Nur mehr symbolisch zum Einsatz kamen diese beiden Geräte bei der Grundsteinlegung zum "museum neu" - der Erweiterung und Sanierung des Ferdinandeums - am 9. Oktober 2001 durch Landeshauptmann Dr. Wendelin Weingartner und Kulturlandesrat Günther Platter.


Ansicht des Ferdinandeums, Innsbrucker Neujahrsentschuldigungskarte 1845 (Ausschnitt)
Bibliothek, FB 4965 (Ausschnitt)
Mehr zu Neujahrsentschuldigungskarten allgemein unter 1924


Gert Ammann