Erzherzog Johann als Generalgeniedirektor vor dem Dogenpalast in Venedig, 1804  

Erzherzog Johann als Generalgeniedirektor vor dem Dogenpalast in Venedig, 1804

 

Teodoro Matteini (Pistoja 1754-1831 Venedig)
Öl auf Leinwand, 82 x 64,2 cm
bez. re. u.: Teodoro Matteini f[ece] dal vero in Venezia 1804

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 1507

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Teodoro Matteini arbeitete als Zeichner, Kupferstecher, Historien- und Bildnismaler. Seine erste künstlerische Ausbildung erhielt er bei seinem Vater, der ebenfalls Maler war, später ging er nach Rom, um sich dort weiter fortzubilden. Nach Aufenthalten in Florenz und Mailand wurde er 1807 Professor an der Akademie in Venedig.

 

Dieses Brustbildnis Erzherzog Johanns, des jüngeren Bruders Kaiser Franz' I., entstand während eines Aufenthaltes in Venedig, das im Hintergrund seiner linken Schulter durch die Ansicht des Dogenpalastes und dem auf einer Säule dargestellten Markuslöwen zu erkennen ist und worauf der Zeigefinger seiner rechten Hand weist, während der Blick auf den Betrachter gerichtet ist. Erzherzog Johann wird hier in seiner Funktion als Generaldirektor des Genie- und Fortifikationswesens der gesamten Monarchie gezeigt, ein Amt, das er seit dem Jahre 1801 bekleidete. Der in der Bildecke links unten dargestellte Plan einer Festung am Lido - bezeichnet "Fortezza del Lido di Venezia" - ist Zeichen seines militärisch-technischen Interesses an Befestigungsanlagen.

 

Innerhalb der Porträts der Gemäldesammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum kommt diesem Bildnis Erzherzog Johanns ein besonderer Stellenwert zu, erinnert es doch an dessen besondere Verbundenheit mit Tirol und seiner Bevölkerung. Wenngleich er 1805 Tirol verlassen musste, als es an Bayern fiel, so war er 1809 doch ein wichtiger geistiger Rückhalt im Freiheitskrieg der Tiroler Widerstandskämpfer gegen die bayerisch-französische Herrschaft.

 

Erzherzog Johanns Vorhaben, die Gründung des ersten österreichischen Nationalmuseums in Innsbruck zu forcieren, wurde durch den Fall Tirols an Bayern und Johanns Landesverweis 1805 zunichte gemacht. Das erste so genannte "vaterländische Nationalmuseum" Österreichs - das Joanneum in Graz - entstand in der Folge 1811 aufgrund der Initiative Erzherzog Johanns in der Steiermark. 1823 wurde schließlich das Ferdinandeum gegründet.

 

Das Gemälde gelangte im Jahre 1844 in die Sammlungen des Tiroler Landesmuseums. Im Jahresbericht findet sich die Neuerwerbung folgend beschrieben: "Das in Oel gemalte Porträt Sr. kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Johann, zur Zeit als Höchstderselbe Kommandant des Geniewesens in Venedig war; von einem unbekannten italienischen Meister" (JB 1844, XXII).

 

Mehr zu Erzherzog Johann unter anderem auch unter 1868


Josef Kriehuber (1800-1876), Erzherzog Johann (lithographiert von L. Fischer)
Bibliothek, W 5226/38



Literatur
G. K. Nagler, Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter, etc. 8 (München 1839) 444. - Die Tirolische Nation 1790-1820, Katalog Tiroler Landesausstellung Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1984 (Innsbruck 1984) 254, Kat.Nr. 9.57. - Il Veneto e l'Austria. Vita e cultura artistica nelle città venete 1814-1866, Katalog Palazzo della Gran Guardia 1989 (Milano 1989) 96, Kat.Nr. 2, mit Abb. - Dai Dogi agli Imperatori. La Fine della Repubblica tra Storia e Mito, Katalog Palazzo Ducale Venezia 1997 (Milano 1997) 105, Kat.Nr. 5, mit Abb.

 

Eleonore Gürtler