Das Museum zwischen Alt- und Neubau  

Das Museum zwischen Alt- und Neubau

 

Plan zu dem neu zu erbauenden Ferdinandeum in Innsbruck, [1842]
Anton Mutschlechner (Tristach im Pustertal 1795-1846 Innsbruck)
Papier, 685 x 523 mm, Lithographie: Lith. Anstalt von Joh. Kravogl zu Innsbruck

Bibliothek, Inv.-Nr. FB 8081

Bild vergrößern ...

 


Vieles ist 1843 im Umbruch: Der Neubau schreitet voran; das Bewusstsein, bald mehr Platz zu bekommen, bedingt in den Sammlungen einen Aufschwung. Der oberste Vorstand, Graf Brandis, entwickelt bei der Generalversammlung am 16. Mai einen - dann auch angenommenen - Plan, wie die einzelnen Sammlungen effektiver geleitet werden können, wie schneller auf Tageserfordernisse eingegangen werden kann. Aufgrund dieser Überlegungen werden pro Sammlungsbereich - Kunst, Naturwissenschaft, Geschichte - jeweils zwei Sekretäre bestimmt, die in einem gewissen Rahmen autonom, d. h. allein dem obersten Vorstand verantwortlich, entscheiden dürfen, ohne Beschlüsse des Verwaltungsausschusses abwarten zu müssen. Neu war auch die den Mitgliedern eröffnete Möglichkeit, ihre Beiträge bewusst einer der drei Sektionen zu widmen. "Aus den auf keine bestimmte Widmung lautenden Beiträgen sollten die gemeinschaftlichen Kosten der Erhaltung des Gebäudes und der Geräthschaften und die Regieauslagen gedeckt, und im Falle ihrer Unzulänglichkeit das Mangelnde aus den Sektionsfonden nach dem Verhältnisse ihrer Kräfte beigezahlt werden." (JB 1843, IV) Noch nicht konnte man sich dazu entschließen, den Mitgliedsbeitrag von 10 fl. R.W. auf 5 fl. herabzusetzen: Man befürchtete, dass ein solcher Schritt "bei den jetzigen außerordentlichen Auslagen für Einrichtung des Neugebäudes einige Verlegenheit verursachen könnte." (JB 1843, V) - Zum Vergleich: Laut Jahresabrechnung bestritten 67 Mitglieder die auf "Besoldungen und Remunerazionen", 6 Mitglieder die auf "Regie für Miethzins und Lokale" anfallenden Ausgaben (JB 1843, XI)!

 

Nach der Generalversammlung begab man sich ein letztes Mal zur Besichtigung der Neuzugänge in eben diese im k. k. Universitätsgebäude angemieteten Räume, wo die Sammlungen seit 1823 untergebracht waren. Schon im Anschluss an die nächste Generalversammlung am

 

9. Mai 1844 besuchte man den Neubau, "um den Fortschritt desselben, und die für die verschiedenen Sammlungen bestimmten Lokalitäten in Augenschein zu nehmen." (JB 1844, VI). Der Grundstein dazu war am 2. Oktober 1842 gelegt worden (mehr dazu unter 1848).

 

Für den "Eigenthümer der Bauplätze in der Angerzell", Anton Fischnaler, galt das geplante Museum als "schönste Zierde" der neuen Straße, die er für Werbezwecke einsetzte. Am 27. April 1843 berichtete er, dass bereits zwei Häuser fertiggestellt seien, "und mehrere andere - so wie das Museum, wozu Herr Architekt A. Mutschlechner den Bauplan geliefert hat, erheben sich bereits aus dem Grunde, und werden heuer noch zur Eindeckung kommen."


Josef L. Strickner (1744-1826), k. k. Lyzealgebäude, 1809
Bibliothek, FB 1673 (Aigner-Codex)
Mehr zum Aigner-Codex unter 1823



Literatur
Anton Fischnaler, Nachricht (Innsbruck, 27. 4. 1843; Bibliothek, FB 8058).

 

Ellen Hastaba