Maria Heimsuchung, 1842  

Maria Heimsuchung, 1842

 

Carl von Blaas (Nauders 1815-1894 Wien)
Öl auf Leinwand, 72 x 57 cm
bez. u. Mitte: Carl Blaas Rom 1842

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 437

Bild vergrößern ...

 


1837 erhielt Carl von Blaas für sein Gemälde "Moses auf dem Berg Sinai" von der Wiener Akademie der bildenden Künste ein Stipendium für einen fünfjährigen Aufenthalt in Rom. In Rom schloss er sich dem Kreis der Nazarener um Friedrich Overbeck an und gelangte zum Idealismus des religiösen Bildes.

 

Das Gemälde "Maria Heimsuchung" von 1842 ist das vierte, das Blaas in Rom geschaffen hat. Thema und allgemeine Anlage des Bildes stehen dabei ganz in der Tradition der Nazarener. Im Zentrum steht die Begegnung Mariens mit Elisabeth vor dem Haus des Zacharias. Beide Frauen werden von den Säulen des Vordaches und der Gartenlaube gerahmt. Links folgt Josef, während Zacharias von rechts, die Hand zum Begrüßungsgestus erhebend, heranschreitet. In einer subtilen Eindringlichkeit ist die Szene in eine romantisch anklingende Landschaft im Hintergrund eingebunden.

 

In einer 1842 im Journal "Il Teberino" erschienenen und im selben Jahr im "Bothen für Tirol und Vorarlberg" wiedergegebenen Besprechung zu dem im Entstehungsjahr in Rom ausgestellten Gemälde heißt es: "Die Komposition des Bildes ist einfach, mit Geschick vertheilt (sic!), sonst würde es auf den Beschauer nicht einen so wohlthuenden (sic!) Eindruck machen; die Zeichnung ist rein; das Kolorit hat starke Töne, welche aber der Künstler so in Harmonie zu bringen wußte, daß diese robusten Tinten nicht beim Totalanblick auffallen, sondern erst bei der Untersuchung des Details gefunden werden; den Hintergrund des Bildes bildet eine heitere Luft, wie man sie nur auf einem Gemählde (sic!) der venetianischen Schule wünschen könnte."

 

Das Gemälde wurde vom Innsbrucker Kunsthändler Franz Unterberger in Auftrag gegeben. Noch im Entstehungsjahr wurde es vom Ferdinandeum erworben (JB 1842, XXVI). Neben den Gemälden von Gebhard Flatz gehört es mit zu den Hauptwerken einer in der Tradition der Nazarener stehenden religiösen Malerei in Tirol. Eine weitere Replik (bez. Carl Blaas, Nauders 1842) befindet sich in Brixener Privatbesitz.

 

Zu diesem Gemälde von Carl von Blaas siehe auch Chronik 1847


Literatur
Bothe für Tirol und Vorarlberg 58 (1842) 232, 14 (1843) 56. - Österreichische Künstler und Rom. Vom Barock zur Secession, Katalog Österreichisches Kulturinstitut, Rom, und Akademie der Bildenden Künste Wien 1972 (Rom 1972) 108, Nr. 32. - Gert Ammann, Klassizisten - Nazarener. Kunst im Oberland 1800-1850, Katalog Schloßmuseum Landeck und Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1982 (Innsbruck 1982) 81 (Abb.), 87, Kat.Nr. 107. - Barbara Wild, Carl von Blaas 1815-1894. Würdigung des Historienmalers, Katalog Österreichische Galerie Wien 1985 (Wien 1985) 24, Abb. 4. - Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Weihnacht in der Tiroler Kunst, Katalog Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1985/86 (Innsbruck 1985) 5 (Farbtafel), 16, Kat.Nr. 1.13. - Antikensehnsucht und Heimatsuche. Meisterwerke des 18. und 19. Jahrhunderts aus dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck, Katalog Liechtensteinische Staatliche Kunstsammlung Vaduz 1994 (Innsbruck 1994) 82f (Farbabb.).

 

Günther Dankl