Kopfstudie, 1824  

Kopfstudie, 1824

 

Alois Martin Stadler (Imst 1792-Sterzing 1841)
Kohle, Rötel, weiß gehöht, 375 x 272 mm
bez. re. u.: Stadler

Graphische Sammlungen, Inv.-Nr. S 150

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Nach dem Studium an der Akademie in München 1812 bis 1819 zog der Tiroler Maler Alois Martin Stadler nach Rom, wo er sich von 1819 bis 1822 aufhielt. In Rom betrieb Stadler vor allem Studien nach Raffael und der Antike, die sich in den in dieser Zeit geschaffenen Altarbildern niederschlugen.

 

Die vorliegende Zeichnung ist eine Studie zum 1825 vollendeten Bild der Kreuzabnahme für die Kalvarienbergkirche in Bozen. Sie zeigt den Kopf der Magdalena. Wie auch in seinen Landschaftszeichnungen erweist sich Stadler in seinen Porträtstudien als äußerst feiner Zeichner. In der Haltung und Ausführung zeigt sich die Nähe zur Kunst der Nazarener, mit der Stadler während seines Aufenthaltes in Rom in Berührung gekommen ist.

 

Den Auftrag für "ein Altarbild für die Gegend von Botzen (sic!)" mit dem Thema der "Kreuzabnahme", für das er "Studien und Carton" noch in Rom fertigstellen wollte, hat Stadler 1822 laut einem Brief vom 27. Februar 1822 an Anton von Pfaundler (Bibliothek, W 5222, Nr. 234) noch in Rom über Vermittlung von Josef von Giovanelli erhalten. Nach seiner Rückkehr arbeitete der Künstler an dem Gemälde. In den 1824 veröffentlichten "Notizen über den Historien-Mahler (sic!) Herrn Stadler in München und dessen Werke" (Bothe für Tirol und Vorarlberg 91 (1824) 362) heißt es über das fast fertige Bild: "Die Gruppierung ist wohl gelungen, alle Figuren sind gut vertheilt (sic!), jede ist an ihrer Stelle. Zeichnung und Formen des nackten Christus sind korrekt und von edler Bildung, das erblaßte Haupt läßt nichts zu wünschen übrig, die Liebe ist auch im Tode nicht von ihm gewichen. - Von der Empfindung gerührter Theilnahme (sic!) sind alle Gemüther (sic!) ergriffen, und so ist die Einheit der Anordnung durch die Einheit der Empfindung unterstützt und gehoben. Alle Gewänder brechen sich in einem edlen, breiten Style (sic!), und sind verständig angelegt und berechnet für die Lage und Stellung der darunter verborgenen Glieder."

 

Die Studie wurde 1841 mit einer Reihe von anderen graphischen Blättern von Johann Stadler, dem Bruder des Künstlers, aus dessen Nachlass dem Museum als Geschenk übergeben (JB 1841, XXXIV-XXXV). Bereits 1827 hat Alois Martin Stadler dem Ferdinandeum den heute nicht mehr erhaltenen Karton zum Gemälde als Geschenk überlassen (EB 1827, Jänner, Nr. 3 bzw. JB 1826, 14).

 

Die Zeichnungen von Alois Stadler bilden innerhalb der Graphischen Sammlungen neben jenen von Joseph Anton Koch oder Johann Gabriel Degler einen wichtigen Bestand der Zeichnungen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.


Alois Martin Stadler, Mädchenbildnis, 1819
Graphische Sammlungen, Inv.Nr. S 153



Literatur
Gert Ammann, Klassizisten - Nazarener. Kunst im Oberland 1800-1850, Katalog Schloßmuseum Landeck und Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1982 (Innsbruck 1982) 52, Kat.Nr. 66 (m. Abb.).

 

Günther Dankl