Agnus Dei mit Kreuzfahne und Buch mit sieben Siegeln, um 1790  

Agnus Dei mit Kreuzfahne und Buch mit sieben Siegeln, um 1790

 

Johann Burgmann (St. Georgen bei Bruneck ?-1825 ebenda)
Aquarell auf Gewebe der Raupe der Gespinstmotte, 106 x 164 mm
bez. re. u.: Joann: Burgman fecit

Graphische Sammlungen, Inv.-Nr. 4

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Typisch für Johann Burgmann ist die Einfassung des zarten Malgrundes mit einem goldbemalten Kartonrahmen. Viele seiner Gemälde wurden zwischen zwei Glasplatten gelegt, damit das Motiv beidseitig (auf der Rückseite spiegelbildlich) im durchscheinenden Licht betrachtet werden kann, was den besonderen Reiz dieser seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in Tirol und in Salzburg ausgeübten Kleinkunst ausmacht.

 

In der kurzen Lebensbeschreibung des ältesten bekannten "Spinnwebenmalers", des Pustertalers Elias Prunner (2. H. 18. Jh.), heißt es im Tirolischen Künstler-Lexikon von Joseph Lemmen 1830, 196: "... mahlte auf Spinnengewebe, eigentlich auf dem Netze von Würmern, die sich auf den Elzenstauden aufhalten, welches aufgespannt und gereinigt wird, worauf man drucken und mahlen kann." Der Kustos der Naturwissenschaftlichen Sammlungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, Karl Toldt, untersuchte die als Malgrund verwendeten Gespinste erstmals mikroskopisch und stellte fest, dass es sich dabei höchst selten um die aufgrund ihrer Zartheit eher schwierig zu bearbeitenden Spinnennetze (vermutlich der Hausspinne), meistens aber um das Gewebe der Raupen der Gespinstmotte handelt (Toldt 1949, 169-205). Die ca. 20 mm großen Raupen befallen mitunter zu Tausenden von Mitte Mai bis Juni Laubbäume, bevorzugt die volkstümlich als "Elzenstauden" bezeichneten strauch- oder baumförmigen Traubenkirschen (Prunus padus L.), fressen sie kahl und überziehen deren Zweige, Äste und Stämme mit einem feinen, dichten Gespinst. Die richtige Bezeichnung für diese Art von Gemälden wäre folglich "Raupengespinstbilder". Die Motive sind vor allem in Aquarelltechnik, äußerst selten als Malereien in Öl oder Pinselzeichnungen in Tusche, aber auch im drucktechnischen Kupferstichverfahren auf das zarte Gewebe aufgebracht. Während Burgmann Ende des 18. Jahrhunderts vor allem Porträts, Andachtsbilder, volkstümliche Szenen sowie Glückwunschbillets schuf, wurden spätere "Spinnwebenmalereien", die zwischen 1870 und 1920 entstanden waren und meist profane Motive zeigten, zu äußerst beliebten Souvenirs des beginnenden Fremdenverkehrs. In den 20er Jahren unseres Jahrhunderts erlosch diese Kunstfertigkeit, deren wissenschaftliche Erforschung 1940 in Innsbruck einsetzte.

 

1840 kam das "Gemälde auf Spinnengewebe von Johann Burgmann" (EB 1840, 24. August) als eines von vielen Geschenken des Vereinsmitgliedes und großzügigen Gönners, Kabinettssekretär und Hofrat Vinzenz Freiherr von Grimm in Mailand, in das Museum und bildet heute mit 14 weiteren Beispielen eine anschauliche und delikate Sammlung von "Tiroler Spinnwebenbildern".


Johann Burgmann (gest. 1825), Der Bischof von Brixen Karl Lodron
Graphische Sammlungen, Spinnwebenmalerei, Inv.Nr. 2