Armleuchteralge, 1839  

Armleuchteralge, 1839

 

Chara flexilis L. aus dem Musterherbar "Flora von Kitzbühel" von Josef Traunsteiner (Kitzbühel 1798-1850 Kitzbühel)

Naturwissenschaftliche Sammlungen, Inv.-Nr. 500101

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Die ursprünglichen Belege der "Flora von Kitzbühel" finden sich im Hauptherbar (Neuner, 138) und zeichnen sich durch Schönheit und Reichhaltigkeit der Exemplare nach der Restaurierung aus. Neben zahlreichen Phanerogamen (Blütenpflanzen und Farne) finden sich im Herbar der bestehenden botanischen Sammlung auch Characeen (Armleuchteralgen, siehe die Abbildung von Chara flexilis L., eine unverkalkte Art aus dem nordwestlich von Kitzbühel gelegenen Gieringer Weiher).

 

Nach einem allgemeinen Aufruf zur Bereicherung der botanischen Sammlung im Tiroler Boten (JB 1839, XII) im Jahr 1839 erhielt das damals noch kleine Herbar des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum reichlichen Zuwachs (Belege von Dr. Franz Karpe, Josef Vincenz Hofmann etc.). Den größten Anteil bildete jedoch die "Flora von Kitzbühel" mit ca. 800 Arten, eine Schenkung von Josef Traunsteiner, Apotheker, Botaniker und Politiker in Kitzbühel (MA 1839, 53).

 

Josef Traunsteiner erforschte die Gefäßpflanzen der näheren und weiteren Umgebung von Kitzbühel und leistete damit eine wertvolle Vorarbeit zu jenem Werke, das unter seiner und Dr. Anton Sauters (1800-1881) Mithilfe Dr. Franz Unger (1800-1870) vollendete. Neben zahlreichen Publikationen (Dalla Torre / Sarnthein, 305) gibt es Pflanzen, wie Orchis traunsteineri Sauter (Traunsteiners Knabenkraut = Dactylorhiza traunsteineri (Sauter ex Rchb.) Soó; Rupert, 486) aus den Moorgründen am Schwarzsee, Traunsteinera globosa (L.) Rchb. (Kugelorchis = Orchis globosa L.; Gams, 73) am Geißstein (südöstlich von Kitzbühel), und viele Arten mehr, die seinen Namen tragen und die er für die Flora Tirols entdeckt hat. Josef Traunsteiner lieferte in der Folge noch Ergänzungen zum Kitzbüheler Herbar und wird auch als Sammler in den 1840-1846 erschienenen Tauschcenturien aus Tirol angeführt. Weitere Herbarbelege von Traunsteiner finden sich im Naturhistorischen Museum in Wien und der Vorarlberger Naturschau (Kratky, 109). Die ursprünglich an das Museum Carolino-Augusteum (Salzburg) übergebenen Herbarbelege (Fritsch, 60) sind heute im "Haus der Natur" in Salzburg.

 

Die Schenkung des Herbars von Josef Traunsteiner gab die Veranlassung, alle übrigen seither erworbenen Pflanzensammlungen in Tirol zu vereinigen. Das Herbar über die "Flora von Kitzbühel" von Josef Traunsteiner bildete den Grundstein (JB 1839, XII) und ermöglichte, die Idee eines vollkommenen Musterherbars der FLORA TIROLENSIS verwirklichen zu können.


Literatur
Karl Wilhelm von Dalla Torre / Ludwig Graf von Sarnthein, Die Litteratur der Flora von Tirol, Vorarlberg und Liechtenstein 1 (Innsbruck 1900). - Karl Fritsch, Geschichte der Institute und Corporationen, welche in Österreich von 1850 bis 1900 der Pflege der Botanik und Zoologie dienten. In: Botanik und Zoologie in Österreich in den Jahren 1850 bis 1900. Festschrift der K. K. Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien (Wien 1901) 17-124. - Hans Kratky, Die Herbarien des Vorarlberger Landesmuseums, in: Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins 99 (Dornbirn 1956) 109-123. - Helmut Gams, Die Pflanzendecke im Bezirk Kitzbühel. In: Stadtgemeinde Kitzbühel (Hg.), Stadtbuch Kitzbühel I (Kitzbühel 1967) 72-82. - Manfred Rupert, Apotheker, Botaniker und Politiker Josef Traunsteiner. In: ebenda, 473-520. - Wolfgang Neuner, Die Botanische Sammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. In: Festgabe für Erich Egg zum 65. Geburtstag (Innsbruck 1985) 124-133.

 

Magdalena Maier