Hebe tränkt den Adler Jupiters, um 1830  

Hebe tränkt den Adler Jupiters, um 1830

 

Giuseppe Craffonara (Riva 1790-1837 Riva)
Öl auf Leinwand, 77,2 x 60,9 cm

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 369

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Giuseppe Craffonara besuchte zunächst die Akademie der bildenden Künste in Verona und wechselte 1816, auf Anraten des Bildhauers Antonio Canova, an die Accademia di San Luca in Rom. Als sein Hauptwerk gilt der 1832 begonnene Kreuzwegzyklus in Freskotechnik in den Arkaden des 1826 neu erbauten Friedhofes in Bozen, von denen nur mehr wenige Fragmente im Bozner Stadtmuseum erhalten sind.

 

Im Gesamtwerk Giuseppe Craffonaras, der auch als Porträtist und Historienmaler tätig war, stellt das aus der griechischen Mythologie entnommene Thema "Hebe tränkt den Adler Jupiters" - der Bildtitel müsste eigentlich korrekt "Hebe tränkt Jupiter in Adlergestalt" lauten - eine Ausnahme dar, da innerhalb seines Oeuvres die religiösen Darstellungen überwiegen. Stolzenberg, Ladinia 1989, 88, Fußnote 33, nimmt an, dass es wohl ein Auftragswerk oder ein Wettbewerbsbeitrag an der Akademie in Rom war.

 

Hebe galt als die Göttin der Jugend und als die Mundschenkin der Götter, die dieses Amt bis zur Übernahme durch Ganymed innehatte. Die Darstellung beeindruckt durch die klassische Schönheit der auf einer Wolkenbank sitzenden göttlichen Frauengestalt und der anmutigen Geste, mit der sie dem auf einem Blitzbündel sitzenden Jupiter in Adlergestalt eine Schale reicht. Liebevoll legt sie dabei den Arm auf den Nacken des Tieres. Die Komposition wird durch die Blitze, die aus dem Feuerbündel und aus den Wolken fahren, sowie durch den vom Wind flatternden Stoff ihres Gewandes belebt. Unterhalb dieser Darstellung erblickt der Betrachter die winzigen Gestalten zweier Adoranten.

 

Die Gemälde "Hebe tränkt den Adler Jupiters", "Ruhe auf der Flucht nach Ägypten" (Inv.Nr. Gem 370), signiert und datiert mit dem Jahr 1830, sowie zwei Ölstudien, "Brustbild eines alten Mannes mit langem Bart" (Inv.Nr. Gem 372) und "Brustbild eines Mannes mit gestutztem Bart" (Inv.Nr. Gem 373), welche beide in den 30er Jahren entstanden sein dürften, konnten 1838 aus dem Nachlass des Künstlers erworben werden (JB 1838, XVIII).


Giuseppe Craffonara, Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, 1830
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 370



Literatur
Erminio Zaniboni, Vita ed opere del pittore Rivano Giuseppe Craffonara. In: Riccardo Maroni (Hg.), Collana Artisti Trentini 4 (Trento 1977) 368-467 (Abhandlung von 1913, überarb. 1954). - Andreas Stolzenburg, Giuseppe Craffonara (1790-1837). Ein Maler zwischen Klassizismus und Purismus. Phil. Diss. (Regensburg 1992, mit ausführlichem bibliographischen Anhang). - Derselbe, Der Maler Giuseppe Craffonara (1790-1837). Zum 200. Geburtstag am 7. September 1990, in: Ladinia 13 (1989) 75-106. - Derselbe, Der Rivaner Maler Giuseppe Craffonara (1790-1837). Notizen zu Leben und Werk; zum Forschungsstand. Ein Nachtrag zum 150. Todestag, in: Tiroler Heimatblätter 64 (1989) 14-27. - Derselbe, Die Freskodekoration der Arkaden des alten Bozner Friedhofes (1832-1838), in: Der Schlern 66/8 (1992) 487-517. - Giuseppe Craffonara 1790-1837. Katalog Museo Civico Riva 1991/1992 (Trento 1991, mit ausführlichem bibliographischen Anhang). - Silvia Spada Pintarelli, Ebe e l'aquila di Giove. In: ebenda, 178, Abb. 179.

 

Eleonore Gürtler