Karl Graf Firmian mit Gefolge, 1758  

Karl Graf Firmian mit Gefolge, 1758

 

Martin Knoller (Steinach am Brenner 1725-1804 Mailand)
Öl auf Leinwand, 129 x 94,5 cm
Inschrift auf umgestürztem Stein re. u.:
SATURNO PATRI
CUMANEA C(ivitas) R(omana)
CONSECRA(vit)
LUDOS P(ecunia) P(ublica)

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 257

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Seine erste künstlerische Ausbildung erhielt der in Steinach am Brenner geborene Martin Knoller bei Ignaz Pögl und bei dem bedeutenden Tiroler Maler und Freskanten Paul Troger. 1752/53 ging er an die Akademie der bildenden Künste in Wien, 1755 nach Rom an die Accademia di S. Luca. 1758 berief ihn der kaiserliche Botschafter am bourbonisch-sizilianischen Hof, Karl Graf Firmian (seit 1758 Statthalter der Lombardei in Mailand), nach Neapel und nahm ihn in seine Dienste. Er wurde Martin Knollers wichtigster Gönner. 1760 kehrte Knoller jedoch vorerst nach Rom zurück, wo durch die freundschaftlichen und künstlerischen Begegnungen mit seinem Landsmann Christoph Unterberger, vor allem aber mit Raphael Mengs und Johann Joachim Winckelmann, die Einflüsse des frühen Klassizismus in seinem Schaffen wirksam zu werden begannen. Seine vortreffliche Charakterisierungsgabe macht Knoller zu einem der bedeutendsten Porträtkünstler der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert. Davon zeugt auch das Gruppenporträt mit Karl Graf Firmian, kaiserlicher Botschafter am bourbonisch-sizilianischen Hof und späterer Statthalter der Lombardei in Mailand, und seinen Begleitern. "Die Staffage enthält in ganzen Figuren die Porträts des Ministers Karl Graf von Firmian, gewesenen k. k. Gesandten zu Neapel, zweier Gesandtschaftskavaliere, zweier Sekretäre, des Kammerdieners und des Künstlers selbst" (JB 1833, 12).

 

Als Kulisse wählte Knoller die Ruinenlandschaft der Gegend von Cumae bei Neapel, worin sich deutlich das durch Johann Joachim Winckelmann erweckte Interesse an der archäologischen Forschung äußert. Der aus einem Buch vorlesende Graf Firmian verleiht mit einer zeigenden Geste der linken Hand seinen Erläuterungen Nachdruck. Der Künstler stellt sich selbst, in einem Skizzenbuch zeichnend, bescheiden im Hintergrund dar.

 

Das Gemälde wurde 1833 aus der Gräflich Firmianschen Galerie in Mailand angekauft.


Martin Knoller, Selbstbildnis mit grünem Rock, um 1760/65
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 1609



Literatur
Peter Denifle / Andreas Alois Dipauli, Nachrichten von den berühmteren tirolischen Künstlern. Manuskript Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Bibliothek, Dip. 1104 (Innsbruck 1801) 723-729. - Heinrich von Glausen, Martin Knoller, in: Beiträge zur Geschichte, Statistik, Naturkunde und Kunst von Tirol und Vorarlberg 6 (Innsbruck 1831) 209-268, 230. - Josef Popp, Martin Knoller. Zur Erinnerung an den hundertsten Todestag des Meisters (1725-1804). Ein Beitrag zur Geschichte des 18. Jahrhunderts, in: Zeitschrift des Ferdinandeums, 3. F., 48 (1904) 1-139, 29. - Magdalena Weingartner, Martin Knoller (1725-1804). Ölgemälde und Zeichnungen. Phil. Diss. (Innsbruck 1959) Kat.Nr. P 1. - Magdalena Weingartner, Porträts aus der Mengs-Schule, in: Römisch-historische Mitteilungen 5 (1961/62) 235f. - Gert Ammann, Karl Graf Firmian mit Gefolge. In: Die Tirolische Nation 1790-1820, Katalog Tiroler Landesausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck 1984 (Innsbruck 1984) Kat.Nr. 13.53, Abb. 391.

 

Eleonore Gürtler