Altar von Schloss Tirol, um 1370/73  

Altar von Schloss Tirol, um 1370/73

 

Wiener Hofmaler, Meister Konrad (urk. seit 1368 genannt)
Öltempera auf Buchenholz, Schrein H 249 cm, B 139 cm, T 28,5 cm

Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.-Nr. Gem 1962

Leihgabe Prämonstratenserstift Wilten, Innsbruck

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Der Flügelaltar weist mit der Nische hinter dem eisengeschmiedeten Gitter die Form eines Reliquienschreins auf. In der leeren Schreinnische stand vermutlich eine Marienfigur (die vom Goldgrund ausgesparte, durch die Figur verdeckte Fläche zeigt das ökonomische Arbeiten des Vergolders). Die beiden seitlichen Nischen sind durch Flügel geschlossen. Der Auszug des Altares zeigt in den Fialen, Wimpergen und im baldachinartigen Turm mit Kreuzblume einen strengen architektonischen Aufbau. Das Marienleben mit Verkündigung, Heimsuchung, Geburt Christi, Anbetung der Heiligen Drei Könige, Tod und Krönung Mariens ziert die Tafeln. Die Flügelaußenseiten (mit Maria und Johannes und zwei ritterlichen Heiligen - Georg und Sigmund?) nehmen die Stifterpaare auf und bekunden das politische Programm: Links knien Herzog Leopold III. und Viridis Visconti (verm. 1365) unter dem österreichischen Bindenschild, rechts Herzog Albrecht III. und Elisabeth (verm. 1366, gest. 1373, Tochter Kaiser Karls IV.) unter dem Tiroler Adlerwappen (damit wird seine politische Vorrangstellung manifestiert). Anlass der Stiftung war die Huldigungsreise durch Tirol 1370 nach dem Tod ihres Bruders Rudolf IV. (1365). Herzog Leopold III. sollte nach 1379 (Vertrag von Neuburg) die Verwaltung über Tirol und die Vorlande erhalten: Er behütet das kleine Tiroler Wappen. Die herzogliche Stiftung wird auch in der Verkündigung (Urkunde mit Siegel) oder in der Krönung Mariens (Reichsinsignien) angedeutet.

 

Den Auftrag erhielt wohl der seit 1368 urkundlich genannte Wiener Hofmaler Meister Konrad, der seine Formensprache in Abhängigkeit vom italienisch geprägten Stil Meister Theoderichs von Prag bildete. Oberhammer nennt als Schöpfer den Meraner Hofmaler Konrad im Tiergarten (urk. erst 1379-1406 genannt). Stilistische Beziehungen ergeben sich zur Votivtafel des Ocko von Vlasim und zum Porträt Rudolfs IV. Ein etwa zeitgleich entstandenes Tiroler Werk liegt in der Votivtafel des Johannes Austrunk im Bozner Stadtmuseum vor.

 

1813 erwarb Erzherzog Johann die Altarflügel vom ehemaligen bayerischen Schlossverwalter Goldrainer. 1826 kamen die zwei großen Altarflügel als Geschenk Erzherzog Johanns ans Ferdinandeum, die kleinen zum Altar gehörenden Gemälde wurden 1827 nachgeliefert (MA 1827, 38). Der Schrein konnte vom Museum angekauft werden. Das Ferdinandeum übergab den Altar 1828 als Geschenk dem Stift Wilten zur Ausstattung der Bartlmäkirche, von diesem erhielt das Museum 1938 den Altar als Leihgabe in seine Obhut (MA 1938, 459). Der Altar zählt zu den Kleinodien des Landes. Neben der Madonna aus Pfons ist darin ein zentrales Werk des frühen höfischen Stils erhalten.

 

Mehr zum Altar von Schloss Tirol unter Chronik 1938


Altar von Schloss Tirol, Flügelaußenseiten mit Stifterfiguren
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 1962


Detail von der rechten Flügelaußenseite des Altars von Schloss Tirol: Herzog Albrecht III. und seine Gemahlin Elisabeth von Böhmen
Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 1962



Literatur
Otto Pächt, Österreichische Tafelmalerei der Gotik (Augsburg 1929) 76. - Vinzenz Oberhammer, Der Altar von Schloß Tirol (Innsbruck 1948). - Alfred Stange, Deutsche Malerei der Gotik XI (München-Berlin 1961) 7. - Nicolò Rasmo, Schloß Tirol (Bozen 1972). - Gert Ammann, Altar von Schloß Tirol. In: Die Parler und der schöne Stil 1350-1400, Katalog 2 Schnütgen Museum Köln 1978 (Köln 1978) 436. - Gert Ammann, Zur Geschichte der Provenienz des Altares von Schloss Tirol, in: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum 80 (Innsbruck 2000) 57-66.

 

Gert Ammann