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Zum Geleit

Als am 13. Mai des Jahres 1823 in Innsbruck das Ferdinandeum offiziell gegründet wurde, lagen die ersten Initiativen zur Einrichtung eines Tiroler Landesmuseums bereits einige Jahre zurück. Schon um 1800 hatte Erzherzog Johann die Absicht geäußert, in Innsbruck "eine Sammlung aller provinzieller Produkte, die zum Muster für die übrigen Erbstaaten dienen sollten", zu etablieren. In den folgenden Wirren der napoleonischen Epoche bewegten andere Probleme die Bewohner des Kronlandes, und der populäre Erzherzog durfte auch nach der Rückkehr Tirols unter die habsburgische Herrschaft dieses Land nicht betreten. In Graz hatte er im Jahr 1811 das Joanneum ins Leben gerufen. Ein gutes Dezennium später vollzog man auch in Tirol den entsprechenden Schritt: Der damalige Gouverneur von Tirol, Karl Graf Chotek, trat an die Spitze eines Komitees zur Errichtung eines "vaterländischen Musäums für Tirol". Schon die ersten Statuten postulierten als Zweck der neuen Institution "die fortschreitende Bildung der Nation im Allgemeinen, und im Einzelnen, insbesondere aber die Weckung und Belebung des gemeinschäftlichen Interesse für das gemeinschäftliche Vaterland, und für alles, was dasselbe an Erzeugnissen der Natur, der Kunst und des Alterthums - Gutes - Schönes - und Nützliches in sich fasset, durch dessen Aufsuchung, - Aufstellung - und Aufbewahrung in einem hiezu bestimmten Lokale und allmähliger Bekanntmachung in einer herauszugebenden periodischen Zeitschrift." Damit war deutlich zum Ausdruck gebracht, dass hinter dieser Initiative nicht nur romantische Vorstellungen im Sinne eines konservativ-historisierenden Biedermeier standen, sondern gleichwertig auch das Bemühen, die Gegenwart des Kronlandes in ihren vielfältigen Gegebenheiten zu erfassen, zu bewahren, zu ordnen und sie damit möglichst sinnvoll auch für die Zukunft dienstbar zu machen.

An dieser in der Gründungsphase formulierten Herausforderung hat sich für das Ferdinandeum in den vergangenen 180 Jahren nichts geändert. Als wesentliche Aufgaben der Institution definiert auch die heute gültige Satzung des Vereins "die wissenschaftliche Erforschung Tirols, seiner Natur, Geschichte, Kultur, Kunst, Wirtschaft und Technik, die Durchführung der wissenschaftlichen und künstlerischen Lehre und Bildung in Tirol. Diesen Zwecken dient die damit verbundene Herausgabe von wissenschaftlichen Publikationen und Dokumentationen, weiters die Sammlung, Dokumentation, Bewahrung und Schaustellung alles dessen, was als Erzeugnis der Natur, des Landes oder als Werk für Wissenschaft und Kunst von Interesse und Bedeutung ist."

Bei der Gründung des Hauses erstreckte sich die Sammel- und Erschließungstätigkeit auf das gesamte damalige Kronland Tirol, also von Kufstein bis Ala und vom Bodensee bis zur Lienzer Klause. Dementsprechend zieren auch die in dieser Form vor knapp 120 Jahren gestaltete Fassade des Museumsgebäudes die Büsten von Gelehrten und Künstlern nicht nur aus dem Gebiet der heutigen österreichischen Bundesländer Tirol und Vorarlberg, sondern auch aus Südtirol und dem Trentino. In diesem historischen Kontext versteht sich das Ferdinandeum auch heute noch nicht nur als ein Aufbewahrungsort der in der Vergangenheit gesammelten Gegenstände und Informationen über das gesamte Gebiet Alttirols, sondern es bemüht sich weiterhin um die laufende Aktualisierung seiner Sammlungen und Dokumentationen im gesamten Bereich der derzeit aktuellen Europaregion Tirol.

Seinen Namen führt das Ferdinandeum nach dem Erzherzog-Thronfolger, dem späteren Kaiser Ferdinand I., der das Protektorat über die neue Einrichtung übernommen hatte. Ihm und seinen Nachfolgern verdankt das Haus namhafte Zuwendungen. Vom Anfang an erfreute sich das Ferdinandeum zudem des Wohlwollens des Tiroler Landtages sowie zahlreicher privater Gönner. Waren es ursprünglich vor allem Angehörige des Adels und des gehobenen Bürgertums, die mit wertvollen Legaten, außerordentlichen Geldspenden und nicht unerheblichen Jahresbeiträgen zum raschen Aufschwung der jungen Institution beitrugen, so traten bald Angehörige aller Schichten der Bevölkerung dem Ferdinandeum bei.

Die rechtliche Form der Institution blieb seit ihrer Gründung unverändert. Das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum besteht bis heute als ein privater, gemeinnütziger Verein. Die Sammlungen und das gesamte Vermögen sind in dessen Eigentum. Der Verein zählt heute rund 3000 Mitglieder. Die für das Funktionieren der Einrichtung erforderlichen Mittel stammen heute allerdings zum allergrößten Teil vom Land Tirol, das dankenswerterweise durch regelmäßige sehr beträchtliche Zuwendungen das vielfältige Wirken des Hauses erst ermöglicht und zugleich honoriert.

180 Jahre nach seiner Gründung präsentiert sich das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum als eine in gleicher Weise ehrwürdige wie auch dynamische Einrichtung mit nahezu 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. An die 100.000 einheimische Besucher und Gäste aus aller Welt erfreuen sich jedes Jahr an exquisiten und aussagekräftigen Zeugnissen der Kunst, Kultur und Wissenschaft, der Wirtschaft und Technik Alttirols von der Urzeit bis zur Gegenwart - in den Schausammlungen im Hauptgebäude in der Museumstraße und im Museum im Zeughaus im ehemaligen Waffenarsenal Kaiser Maximilians I. an der Sill. Konzerte und Vorträge aus allen Wissensbereichen stoßen auf ein reges Interesse. Eine intensive Öffentlichkeitsarbeit trägt entsprechende Früchte. Die umfangreichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen haben in der Feldstraße eine angemessene Unterkunft gefunden. Mit ihrem einzigartigen Bestand an Tyrolensien und ihren vielseitigen Dokumentationen bildet die Bibliothek des Ferdinandeums das Herzstück intensiver Forschungen von Benutzern aus nah und fern und insbesondere auch der Mitarbeiter des Hauses, deren wissenschaftliche Qualifikation sich in den einschlägigen Publikationen spiegelt.

Für die Zukunft wünscht sich der Verein die Fortsetzung der gedeihlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte. Das von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und der Direktion bisher an den Tag gelegte Engagement bildet dafür ebenso eine günstige Voraussetzung wie das Wohlwollen der maßgeblichen Stellen der Tiroler Öffentlichkeit, insbesondere des Landes Tirol und wie auch künftighin von Südtirol und dem Trentino. Nicht zuletzt die vollendete grundlegende Sanierung und der Ausbau des Hauses in der Museumstraße - ermöglicht durch die vom Tiroler Landtag anlässlich des 175. Geburtstages des Ferdinandeums großzügig gewährten Mittel - sollen eine wesentliche Grundlage für den hoffnungsvollen Aufbruch des "Tirolischen Nationalmuseums" in die nächsten Jahrzehnte bilden.

Univ.-Prof. Dr. Josef Riedmann
Vorstand
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum




180 Jahre Sammellust

In den Überlegungen zum 175-Jahr-Jubiläum 1998 stand auch die Frage nach der eigenen Geschichte und nach der Präsentation des Museumsgeschehens im Vordergrund. Das Ergebnis - erweitert um die Jahre bis 2003 und insgesamt überarbeitet - liegt in dieser Darstellung vor. Sie steht unter dem Titel "SammelLust", gleichnamig mit der damaligen Jubiläumsausstellung 1998. Sie markiert in den aneinander gereihten Objekten die Vielfalt der Sammlungen, der geschichtlichen und kulturellen Leistungen in unserem Land, den Fortschritt in der Entwicklung technischer Geräte, die Evidenz naturwissenschaftlicher Daten zur Ökologie Tirols und immer wieder die Sehnsucht nach Erhaltung von wertvollem Kulturgut. Das Sammeln steht auch parallel zu einer Befriedigung, Zu-Bewahrendes erhalten zu haben. Zudem ist die Lust des Erwerbungsprozesses spürbar, die Lust nach Besitz, nach der Möglichkeit, den traditionellen Aufgaben musealen Wirkens nachzukommen.

180 Jahre Ferdinandeum spiegeln sich in 180 Objekten wider: Jahr für Jahr sind hervorragende Erwerbungen aus allen Sammlungsbereichen und aus der Geschichte des Museums präsent: Sie verdeutlichen auch Schwerpunkte in der Sammeltätigkeit, lassen das Mäzenatentum sichtbar werden, manifestieren zugleich zeitgeschichtliche Bedrängnisse und Nöte. Im Vordergrund steht aber doch die Arbeit der Verantwortlichen, den Museumsbestand um für die Dokumentation des Landes Tirol gültige Positionen zu erweitern, die wissenschaftliche Erforschung zu vertiefen und damit die Kenntnis über unser Land zu verstärken. Der Bogen spannt sich von den Hosenträgern Andreas Hofers, einer Nähmaschine Jakob Eisendles, versteinerten Palmblättern, über das Goldblattkreuz aus dem Fürstengrab von Civezzano, den Altar von Schloss Tirol, die Madonna mit dem Kruseler aus Pfons zu Zeichnungen von Joseph Anton Koch, der Oswald-von-Wolkenstein-Handschrift c, den Streichinstrumenten von Jakob Stainer, der Waldseemüllerkarte oder dem Traunsteiner Herbar. Mit den Werken niederländischer und italienischer Meister gewinnt die Sammlung eine europäische Dimension. Manches mag kunst- und wunderkammerartig erscheinen, zumal zu den für ein Tiroler Landesmuseum kuriosen Dingen etwa zwei ägyptische Mumien in prachtvoll bemalten Holzsärgen aus Theben, 256 indianische Pfeilspitzen, ein malaiisches Geschützrohr, eine chinesische Sternkarte zählen; - leider nicht mehr vorhanden ist der reine Goldsand von der afrikanischen Goldküste.

Die Bearbeitung der Objekte erfolgte durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der sieben Sammlungen des Ferdinandeums, in einigen Fällen konnten Spezialisten aus den Arbeitskreisen als Autoren gewonnen werden. Bild und Text sind als korrespondierende Einheit zu sehen. Die Literatur ist in einer Auswahl im Anhang vermerkt. Die dem Text z. T. beigegebene SW-Abbildung nimmt Bezug auf das Objekt. Auch die Chronik ist bisweilen illustriert. Diese greift kaleidoskopartig Besonderheiten aus dem Vereinsgeschehen heraus. Quellen waren Sitzungsprotokolle der Ausschüsse, Akten, gedruckte Jahresberichte, Tagespresse etc. Grundlage war die von Erich Egg 1973 - anlässlich des 150-Jahr- Jubiläums - verfasste erste Vereinsgeschichte.

Diese Darstellung ist das bleibende Zeugnis für das 180-Jahr-Jubiläum. Dieses Jubiläum gibt auch berechtigten Anlass zum Dank. Vorerst gilt dieser Dank allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Haus, die sich nicht nur im Jubiläumsjahr in besonderem Maße engagiert für die Anliegen des Landesmuseums einsetzen. Dann den derzeit rund 3000 Vereinsmitgliedern, dem Vorstand und den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses, des Engeren Ausschusses und der Fachausschüsse für die Möglichkeit, gemeinsame Ziele verwirklichen zu können.

Mäzene und Sponsorpartner haben wesentlich für die Bereicherung der Sammlungen und die Aktivitäten beigetragen. Schließlich hat das Land Tirol jenes Fundament geschaffen, auf dem das Gedeihen des Ferdinandeums basiert. Das Land Tirol hat 1998 auch den Grundstein für einen neuen Depotbau, für die Erweiterung und Generalsanierung des Ferdinandeums in der Museumstraße gelegt. Diese Maßnahmen werden 2003 abgeschlossen sein; die für dieses Bauprojekt Verantwortlichen werden im Bericht über das Jahr 2003 genannt und mit großem Dank bedacht. Die Eröffnung des "museum neu" findet am 180. Geburtstag des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, am 13. Mai 2003, statt.

Ein aufrichtiger Dank gilt allen für das erwiesene Vertrauen, die Verbundenheit, für die Mitarbeit und die Zuwendungen. Am Beginn des 180. Bestandsjahres steht die Bitte um weiteres Wohlwollen, damit wir alle im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum für das Land und für die wachsende Europaregion Tirol das Beste zu geben vermögen.

Gert Ammann
Direktor
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum

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